Das Zollinger-Ellison-Syndrom – wenn zu viel Gastrin entsteht

Sodbrennen, Bauchschmerzen, Geschwüre in Magen und Zwölffingerdarm: Das Zollinger-Ellison-Syndrom ist mit vielen, oft quälenden Beschwerden des Verdauungstrakts verbunden. Die Symptome weisen in viele Richtungen, bis zur Diagnose vergeht oft viel Zeit. Wie lässt sich also das Zollinger-Ellison-Syndrom erkennen? Und vor allem: Was kann man dagegen unternehmen?

Dem Gastrin auf der Spur: Zollinger-Ellison-Syndrom

Grundsätzlich umfasst die Bezeichnung Zollinger-Ellison-Syndrom alle Beschwerden, die als Folge einer Überproduktion des Botenstoffs Gastrin entstehen.

Gastrin – was ist das?

Beim sogenannten Gastrin handelt es sich um ein Gewebshormon, das eine starke Wirkung auf den Verdauungstrakt ausübt. Zu seinen Aufgaben gehören:

  • die Erhöhung der Produktion von Magensäure
  • die Anregung der Produktion von Pepsinogen und Histamin (beides wichtige Stoffe für die Verdauung der Nahrung)
  • die Stimulation der Magen-Muskulatur
  • der Anstoß zur Ausschüttung von Substanzen aus der Bauchspeicheldrüse, zum Beispiel Insulin
Wichtigster Reiz für die Herstellung von Gastrin sind Bestandteile des Speisebreis und die Dehnung des Magens: Gelangt die gekaute Nahrung vom Mund in den Magen, vergrößert sie den dehnbaren Muskel. Die Gastrin-produzierenden Zellen interpretieren das als Anstoß, mit ihrer Arbeit zu beginnen. Ist die Nahrung in den Zwölffingerdarm weitergewandert, sinkt im Magen der pH-Wert – und damit auch die Ausschüttung von Gastrin.

Während im alltäglichen Leben auch Genussmittel wie Koffein, Nikotin oder Alkohol die Produktion von Gastrin erhöhen können, bleibt diese Erscheinung doch meist in überschaubarem Rahmen. Sind die Auslöser abgebaut oder ausgeschieden, reduziert sich auch die Ausschüttung von Gastrin wieder auf ihr normales Maß. Beim Zollinger-Ellison-Syndrom dagegen ist die Herstellung des Hormons dauerhaft überhöht. Der Betroffene bekommt das durch die stark gesteigerte Produktion von Magensäure unter anderem in Form der folgenden Symptome zu spüren:

  • Geschwüre im Magen, im Zwölffingerdarm und vereinzelt auch im daran anschließenden Leerdarm
  • Blutungen in Magen oder Darm
  • Sodbrennen
  • starke Bauchschmerzen
In einigen Fällen leiden die Betroffenen daneben auch an Durchfall und Mangelerscheinungen, die sich über einen längeren Zeitraum hinweg entwickeln. Doch wie kann es überhaupt zum Zollinger-Ellison-Syndrom kommen?

Die Entstehung des Zollinger-Ellison-Syndroms

Zurückzuführen ist die stark gesteigerte Herstellung von Gastrin – und damit auch die zu hohe Magensäure-Produktion – beim Zollinger-Ellison-Syndrom auf einen Tumor in der Bauchspeicheldrüse oder im Zwölffingerdarm. Dieses Gastrinom schüttet selbst dauerhaft große Mengen an Gastrin aus und ruft damit die typischen Beschwerden hervor. In etwas über der Hälfte der Fälle erweist sich der Tumor als bösartig.

Beim Gastrinom handelt es sich um einen neuroendokrinen Tumor. Das bedeutet, dass sich der Tumor nicht aus dem Organgewebe selbst entwickelt, sondern aus den Zellen, die Hormone, also Botenstoffe, produzieren. Daher ist in der Regel auch der Tumor dazu in der Lage, Hormone herzustellen.


Meist bildet sich ein Tumor dieser Art spontan aus, manchmal tritt er jedoch in Verbindung mit der multiplen endokrinen Neoplasie vom Typ 1 (MEN 1) auf. Bei MEN 1 sind mehrere Organe von Tumoren betroffen, darunter vor allem die Hypophyse (eine Hormondrüse im Gehirn), die Nebenschilddrüsen, die Nebennieren sowie die Bauchspeicheldrüse.

Die Erkrankung ist erblich bedingt und entsteht durch eine Mutation der DNA; zu ihrem Auftreten kommt es jedoch nur selten. Welche konkreten Symptome die Betroffenen verspüren, ist abhängig von den Organen, die von den Tumoren befallen sind. In der Regel führt MEN 1 zu einer Überfunktion dieser Systeme.

Diagnose und Behandlung beim Zollinger-Ellison-Syndrom

bildgebende Verfahren unterstützen bei der Diagnose vom Zollinger-Ellison-Syndrom
Gerade weil das Zollinger-Ellison-Syndrom recht selten auftaucht und seine Symptome auf eine Vielzahl anderer Störungen der Verdauung hinweisen, wird die Erkrankung meist erst sehr spät erkannt. Kommt es zu Symptomen wie Sodbrennen oder Magengeschwüren, denken viele Ärzte zuerst an eine Überproduktion von Magensäure, wie sie zum Beispiel im Zusammenhang mit einer ungesunden Ernährung auftreten kann. Sie empfehlen ihren Patienten eine Umstellung ihrer Ernährungsgewohnheiten und behandeln die Beschwerden symptomatisch.

Erst wenn die Symptome nicht auf die üblichen Medikamente ansprechen oder die Geschwüre nach erfolgter Therapie immer wieder zurückkehren, entsteht bei vielen der Verdacht auf das Zollinger-Ellison-Syndrom. Die Diagnose erfolgt dann auf verhältnismäßig einfachem Weg. Folgende Methoden stehen zur Verfügung:

  • Messung des Gastrins im Blut
  • Sekretintest (Test zum Nachweis der gesteigerten, körpereigenen Herstellung von Gastrin)
  • Zwölffingerdarm- und Magenspiegelung
  • Magnetresonanztomografie (MRT)
  • Computertomografie (CT)
Konnte der Arzt dabei die Tumor-Erkrankung feststellen, ist es zunächst wichtig nachzuweisen, ob es sich um ein einfaches Gastrinom handelt oder ob MEN 1 hinter der Symptomatik steckt. Dazu werden unter anderem auch die Nieren, die Schilddrüse und die Hypophyse auf Tumoren überprüft. In den meisten Fällen ist ein Gastrinom die Ursache der Beschwerden.

Eine vollständige Heilung ist beim Zollinger-Ellison-Syndrom nur dann möglich, wenn das Gastrinom noch nicht gestreut hat. Dann kann der Tumor chirurgisch entfernt werden; die Gastrin-Produktion lässt sich bis zum OP-Termin mit Medikamenten einschränken. Ist es dagegen zu Metastasen gekommen, konzentriert sich die Behandlung vor allem darauf, die Erkrankung medikamentös und operativ soweit einzuschränken, dass die Lebensdauer so lange wie möglich ausgedehnt werden kann. Ein Überleben ist dann sogar über mehrere Jahrzehnte hinweg möglich.Diese Artikel könnten Sie auch interessieren: Die Magensäure und ihre Aufgaben >>

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