Die gastroösophageale Refluxkrankheit im Überblick

17. Februar 2021
12 Min.
Frau fasst sich an die Brust, da sie unter Reflux leidet.

Die Refluxkrankheit (gastroösophageale Refluxkrankheit) ist ein krankhafter Rückfluss des sauren Mageninhaltes in die Speiseröhre. Der Schließmuskel zwischen Magen und Speiseröhre, der den Reflux eigentlich verhindert, ist in diesem Fall zu schwach oder zu schlaff. Außerdem ist die Speiseröhrenmuskulatur möglicherweise nicht dazu in der Lage, den Mageninhalt wieder zurückzupressen. Die gastroösophageale Refluxkrankheit ist keine Seltenheit: Sie betrifft 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung.1

Direkt zu den Themen:


Fachbegriffe kurz erklärt:

Die Bezeichnung gastroösophagealer Reflux setzt sich aus den folgenden Wörtern zusammen:

  • Gastro: stammt vom griechischen Wort „gaster“ und bedeutet „Magen“
  • Ösophagus: medizinische Bezeichnung für Speiseröhre (verbindet Rachen mit dem Magen)
  • Reflux: bedeutet Rückfluss (zum Beispiel von Magensaft in die Speiseröhre)

Oftmals wird zudem der Begriff GERD verwendet, eine Abkürzung für die englische Bezeichnung „gastroesophageal reflux disease“.

Es werden 2 Formen von GERD unterschieden:

  • nicht erosive Refluxkrankheit (NERD) = ohne Schleimhautschädigung
  • erosive Refluxkrankheit (ERD) = mit entzündlichen Schleimhautreaktionen

Symptome der Refluxkrankheit

Sodbrennen, zum Beispiel nach sehr üppigen Mahlzeiten, kennen viele Menschen. Solange die Beschwerden nur gelegentlich auftauchen und von allein wieder verschwinden, gelten sie als harmlos. Bei einer gastroösophagealen Refluxerkrankung sind die Symptome jedoch in der Regel intensiver ausgeprägt und treten typischerweise mehrmals pro Woche auf. Dennoch gibt es immer wieder auch Phasen, in denen die Beschwerden von Betroffenen als weniger belastend wahrgenommen werden.2

Aha!

Kennzeichnend für eine Refluxkrankheit sind

  • das Aufkommen typischer Refluxsymptome sowie
  • die Regelmäßigkeit.

Betroffene leiden mindestens ein- bis zweimal pro Woche unter Reflux-Symptomen.3

Generell unterscheiden Mediziner zwischen Beschwerden, die die Speiseröhre betreffen (ösophageal), und solchen, die sich außerhalb der Speiseröhre (extraösophageal) bemerkbar machen.


Ösophageale (die Speiseröhre betreffende) Symptome

Ständiges Sodbrennen ist das zentrale Symptom einer Refluxerkrankung. Verbunden sind damit häufig brennende Schmerzen hinter dem Brustbein. Das Brennen kann sich über den gesamten Brustraum erstrecken und sogar in den Schultern oder dem Hals zu spüren sein. Sodbrennen und das säuerliche Aufstoßen von Luft und/oder Magensäure oder Speiseresten entstehen insbesondere nach einem fettigen Abendessen und starkem Alkohol-Konsum. Oft verstärken sich die Beschwerden im Liegen – also auch nachts – sowie durch Stress, bei Anstrengung, bückenden Tätigkeiten und beim Tragen von enger Kleidung.

Zu den Reflux-Symptomen zählen auch Schluckbeschwerden (Brennen der Speiseröhre beim Schlucken) und unangenehmer Mundgeruch nach zurückfließender Säure aus dem Magen.


Extraösophageale Manifestationen

Etwa jeder dritte von der Refluxkrankheit Betroffene leidet zudem an weiteren Symptomen, wie:4Y

Viele Reflux-Patienten berichten davon, keine Luft mehr zu bekommen, spüren ein Stechen hinter der Brust und nehmen an, dass ein Herzleiden hinter ihren Symptomen steckt. Der Gang zum Arzt ist dann in jedem Fall nötig. Findet sich bei den Untersuchungen kein Hinweis auf einen Infarkt oder ein anderes Herzleiden, handelt es sich bei den Beschwerden mit hoher Wahrscheinlichkeit um Reflux-Symptome. Die Speiseröhre befindet sich in Herznähe und so liegt die eigene Fehl-Diagnose bei einer eigentlichen Refluxerkrankung oftmals nah. Im Englischen wird Sodbrennen daher auch als Heartburn, also Herzbrennen, bezeichnet.

 

Vor allem nachts können zudem Atembeschwerden belasten. Trockener, hartnäckiger Husten, eine belegte Stimme, die klingt, als wäre man etwas heiser, sowie Asthmaanfälle sind ebenfalls Ausdruck für einen Reflux und mitunter die einzigen Symptome.

In folgendem Video beantwortet Dr. Martin Hoffmann in einem Kurzinterview 3 Fragen zum Thema Refluxkrankheit.

Ursachen und Risikofaktoren der Refluxkrankheit

Warum die Refluxbarriere versagt, bleibt oft ungeklärt. Sicher ist, dass die Lebensweise einen großen Einfluss auf die Entstehung der sogenannten Wohlstandskrankheit hat. Nicht selten schlägt sich ein ungesunder Lebensstil in Magen-Darm-Problemen nieder. Zu den begünstigenden Faktoren zählen:

Stimmt nachdenklich:

In den letzten 30 Jahren hat sich das Auftreten der Refluxkrankheit verzehnfacht.5

Daneben leiden etwa 30 bis 50 Prozent der Frauen während einer Schwangerschaft unter krankhaftem gastroösophagealem Reflux.6 Zum einen benötigt das heranwachsende Kind zunehmend Platz, was dazu führt, dass die Organe nach oben gedrückt werden. Zum anderen entspannt das in großen Mengen produzierte Hormon Progesteron den Schließmuskel, der normalerweise dafür sorgt, dass die Magensäure nicht wieder in die Speiseröhre aufsteigt.

Zu einer beeinträchtigten Leistung von Schließmuskel und Speiseröhrenmuskulatur führen mitunter auch folgende Faktoren:

  • bestimmte Medikamente, wie starke Schmerzmittel, Psychopharmaka (angstlösende Wirkung) und Nitropräparate (gefäßerweiternde Mittel), da diese entspannend auf den Schließmuskel wirken können
  • ein grundsätzlich zu schwacher Speiseröhrenschließmuskel
  • eine von Natur aus oder durch krankhafte Einflüsse zu enge oder veränderte Speiseröhre

Weitere mögliche Ursachen für die Refluxerkrankung sind ein Zwerchfellbruch, eine Achalasie (Funktionsstörung der Speiseröhre), Geschwülste oder ein Tumor.

In seltenen Fällen kann sich für den Reflux eine verzögerte Magenentleerung verantwortlich zeigen. Beispielsweise kommt diese bei diabetischer Neuropathie (Nervenschädigungen aufgrund einer Diabetes-Erkrankung) vor.


Folgeerkrankungen der Refluxkrankheit

Häufig wiederkehrenden Reflux sollten Sie ernst nehmen: Bei einer Refluxerkrankung besteht die Gefahr, dass Magensäfte die Schleimhäute in der Speiseröhre dauerhaft schädigen.

Mögliche Folgeerkrankungen von wiederholt auftretendem Reflux:

  • Speiseröhrenentzündung
  • Kehlkopfentzündung
  • Zahnschäden
  • Rachenentzündung
  • Lungenfibrose (Erkrankung des Lungengewebes)
  • Nasennebenhöhlenentzündungen
  • Mittelohrentzündungen
  • Barrett-Syndrom (Veränderung der Speiseröhrenschleimhaut am unteren Ende der Speiseröhre)

Bitte unterschätzen Sie den Verlauf der Refluxkrankheit nicht: In chronischen Fällen gehören auch Geschwüre (offene Wunden) in der Speiseröhrenwand und Speiseröhrenkrebs zu den möglichen Folgen einer unbehandelten Refluxkrankheit. Umso wichtiger ist es, sich frühzeitig ärztlichen Rat einzuholen, um den Ursachen der Beschwerden nachzugehen und eine zielgerichtete Behandlung anzustoßen.

 

Gastroösophagealen Reflux feststellen: Was macht der Arzt?

Grundsätzlich gilt die Faustregel: Treten Sodbrennen und andere Beschwerden regelmäßig, also ein-bis zweimal die Woche auf, sollten Sie sie ärztlich abklären lassen.3 Das gilt auch, wenn sich zwischenzeitlich immer wieder kurze Phasen einstellen, in denen es Ihnen besser geht.

Eine gute erste Anlaufstelle ist Ihr Hausarzt. Gegebenenfalls überweist er Sie an einen Gastroenterologen, einem Spezialisten für Erkrankungen von Magen und Darm. Dieser befragt den Patienten zunächst ausführlich nach dessen Symptomen. Darüber hinaus möchte der Mediziner wissen, welche Medikamente eingenommen werden, da viele Arzneimittel eine Refluxkrankheit begünstigen.

Weisen die Symptome auf eine GERD hin, wird meist zügig mit der Behandlung begonnen. Weitere ausführliche Untersuchungen sind hingegen nur typisch, wenn die Diagnose nicht eindeutig ist oder die Therapie keine Besserung bewirkt. Um andere Ursachen auszuschließen, kann der Arzt folgende Tests durchführen:

  • Endoskopie mit Biopsie: Hierbei wird ein biegsamer Beobachtungsschlauch (Endoskop) über den Mund in die Speiseröhre (und den Magen) eingeführt. So kann der Arzt den Magenmuskel begutachten und beispielsweise Geschwüre, Verengungen oder Tumore erkennen. Gleichzeitig hat er die Möglichkeit, Gewebeproben zu entnehmen (Biopsie), um diese später im Labor zu untersuchen.
  • 24-Stunden-pH-Metrie: Eine in die Speiseröhre eingeführte Sonde zeichnet 24 Stunden den Säurespiegel auf. Die Untersuchung erfolgt ambulant, das heißt der Patient muss nicht im Krankenhaus bleiben.
  • Manometrie: Mithilfe dieser Methode wird der Druck in der Speiseröhre gemessen. Dadurch kann der Arzt beispielsweise Fehlfunktionen der Schließmuskulatur identifizieren.

Anhand der durch die Untersuchungen gewonnenen Informationen trifft der Arzt weitere Entscheidungen bezüglich der Therapie.


Wie lässt sich die Refluxkrankheit behandeln?

Zur Linderung von gastroösophagealem Reflux können Betroffene selbst einige Maßnahmen ergreifen. Bewährt haben sich beispielsweise:

  • das Vermeiden von säurehaltigen Nahrungsmitteln (etwa Cola-Getränke oder Orangen), die die Symptome hervorrufen
  • das Absetzen von Medikamenten, die die Säurebildung anregen (nach ärztlicher Absprache!)
  • das Erhöhen des Kopfteils am Bett um etwa 15 Zentimeter (damit die Säure nachts nicht in die Speiseröhre fließen kann)
  • der Verzicht auf Essen drei Stunden vor dem Zubettgehen
 

Darüber hinaus berät Sie der Arzt bezüglich der Einnahme von Medikamenten wie den sogenannten Protonenpumpenhemmern (PPI), die säurehemmend wirken und normalerweise die effektivste Behandlung bei gastroösophagealem Reflux darstellen. Je nach Krankheitsstadium sind aber auch Operationen erforderlich. Beispielsweise kann bei sehr heftigem Sodbrennen eine Fundoplicatio durchgeführt werden. Bei diesem Eingriff werden Teile der Magenwand in Form einer Manschette um den unteren Teil der Speiseröhre genäht, um den geschwächten Schließmuskel zu stärken.

Julia Lindert
E-Mail schreiben
Medizinredakteurin
Themenvorschläge? Anregungen? Schreiben Sie uns!
Miriam Müller
E-Mail schreiben
Medizinredakteurin und Kommunikationswissenschaftlerin
Themenvorschläge? Anregungen? Schreiben Sie uns!