Die Refluxkrankheit im Überblick

3. Februar 2020
8 Min.

Die Refluxkrankheit (gastroösophageale Refluxkrankheit) ist ein krankhafter Rückfluss des sauren Mageninhaltes in die Speiseröhre. Der Schließmuskel zwischen Magen und Speiseröhre, der den Reflux eigentlich verhindert, ist in diesem Fall zu schwach oder zu schlaff. Außerdem ist die Speiseröhrenmuskulatur möglicherweise nicht dazu in der Lage, den Mageninhalt wieder zurückzupressen. Die Refluxkrankheit ist keine Seltenheit: Sie betrifft 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung.1

Frau wird von Reflux geplagt

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Medizin kompakt

Gastro = gaster = Magen
Ösophagus = Speiseröhre,verbindet Rachen mit dem Magen
Reflux = Rückfluss
stiller Reflux = Reflux ohne Sodbrennen
Gastroösophagealer Reflux (GERD) = Rückfluss des säurehaltigen Mageninhalts in die Speiseröhre
GERD = medizinische Abkürzung für die englische Bezeichnung „gastroesophageal reflux disease“

2 Formen von GERD:
nicht erosive Refluxkrankheit (NERD) = ohne Schleimhautschädigung
erosive Refluxkrankheit (ERD) = mit entzündlichen Schleimhautreaktionen

Symptome der Refluxkrankheit

Generell unterscheiden Mediziner zwischen Beschwerden, die die Speiseröhre betreffen (ösophageal), und solchen, die sich außerhalb der Speiseröhre (extraösophageal) bemerkbar machen.

Ösophageale Symptome sind unter anderem:

Zu den extraösophagealen Symptomen zählen:

Viele Reflux-Patienten berichten davon, keine Luft mehr zu bekommen, spüren ein Stechen hinter der Brust und nehmen an, dass ein Herzleiden hinter ihren Symptomen steckt. Der Gang zum Arzt ist dann in jedem Fall nötig. Findet sich bei den Untersuchungen kein Hinweis auf einen Infarkt oder ein anderes Herzleiden, handelt es sich bei den Beschwerden mit hoher Wahrscheinlichkeit um Reflux-Symptome. Die Speiseröhre befindet sich in Herznähe und so liegt die eigene Fehl-Diagnose bei einer eigentlichen Refluxerkrankung oftmals nah. Im Englischen wird Sodbrennen daher auch als Heartburn, also Herzbrennen, bezeichnet.

Schneidendes Sodbrennen ist das zentrale Symptom einer Refluxerkrankung. Verbunden sind damit häufig brennende Schmerzen hinter dem Brustbein. Das Brennen kann sich über den gesamten Brustraum erstrecken und sogar in den Schultern oder dem Hals zu spüren sein. Sodbrennen und das säuerliche Aufstoßen von Luft und/oder Magensäure oder Speiseresten entstehen insbesondere nach einem fettigen Abendessen und starkem Alkohol-Konsum. Oft verstärken sich die Beschwerden im Liegen – also auch nachts – sowie durch Stress, bei Anstrengung, bückenden Tätigkeiten und beim Tragen von enger Kleidung.

Aha!

Kennzeichnend für eine Refluxkrankheit sind

  • das Aufkommen typischer Refluxsymptome sowie
  • die Regelmäßigkeit.

Betroffene leiden mindestens ein- bis zweimal pro Woche unter Reflux-Symptomen.2

Zu den Reflux-Symptomen zählen auch Schluckbeschwerden (Brennen der Speiseröhre beim Schlucken) und unangenehmer Mundgeruch nach zurückfließender Säure aus dem Magen. Vor allem nachts können zudem Atembeschwerden belasten. Trockener, hartnäckiger Husten, eine belegte Stimme, die klingt, als wäre man etwas heiser, sowie Asthmaanfälle sind ebenfalls Ausdruck für einen Reflux und mitunter die einzigen Symptome.

In folgendem Video beantwortet Dr. Martin Hoffmann in einem Kurzinterview 3 Fragen zum Thema Refluxkrankheit.

Ursachen der Refluxkrankheit

Warum die Refluxbarriere versagt, bleibt oft ungeklärt. Sicher ist, dass die Lebensweise einen großen Einfluss auf die Entstehung der sogenannten Wohlstandskrankheit hat. Nicht selten schlägt sich ein ungesunder Lebensstil, der geprägt ist von regelmäßigem Verzehr fettreicher Speisen sowie Nikotin-, Alkohol- und/oder starkem Kaffeekonsum, in Magen-Darm-Problemen nieder. Auch Stress und Übergewicht gehören zu den persönlichen, refluxauslösenden Faktoren.

Stimmt nachdenklich:

In den letzten 30 Jahren hat sich das Auftreten der Refluxkrankheit verzehnfacht.3

Daneben leiden etwa 30 bis 50 Prozent der Frauen während einer Schwangerschaft unter krankhaftem, gastroösophagealen Reflux.4 Zum einen benötigt das heranwachsende Kind zunehmend Platz, was dazu führt, dass die Organe nach oben gedrückt werden. Außerdem entspannt das in großen Mengen produzierte Hormon Progesteron den Schließmuskel, der ja normalerweise dafür sorgt, dass die Magensäure nicht wieder in die Speiseröhre aufsteigt.

Zu einer beeinträchtigten Leistung von Schließmuskel und Speiseröhrenmuskulatur führen mitunter folgende Faktoren:

  • bestimmte Medikamente, wie starke Schmerzmittel, Spasmolytika (krampflösende Arzneistoffe) und Nitropräparate (gefäßerweiternde Mittel), da diese entspannend auf den Schließmuskel wirken können
  • ein grundsätzlich zu schwacher Speiseröhrenschließmuskel
  • eine von Natur aus oder durch krankhafte Einflüsse zu enge oder veränderte Speiseröhre

Weitere mögliche Ursachen für die Refluxerkrankung sind ein Zwerchfellbruch, ein Speiseröhrenkrampf (Achalasie), Geschwülste oder ein Tumor. Bei einem Zwerchfellbruch bleibt der Speiseröhrenschließmuskel funktionstüchtig: Der durch den Zwerchfelleinriss in den Brustkorb verlagerte Anteil des Magens fördert allerdings den Rückfluss von saurem Mageninhalt in die Speiseröhre.

In seltenen Fällen kann sich für den Reflux eine verzögerte Magenentleerung verantwortlich zeigen. Beispielsweise kommt diese bei diabetischer Neuropathie (Nervenschädigungen aufgrund einer Diabetes-Erkrankung) vor.

Folgeerkrankungen der Refluxkrankheit

Dauerhaften und häufig wiederkehrenden Reflux sollten Sie ernst nehmen: Bei einer Refluxerkrankung besteht die Gefahr, dass Magensäfte die Schleimhäute in der Speiseröhre dauerhaft schädigen.

Mögliche Folgeerkrankungen von wiederholt auftretendem Reflux:

Bitte unterschätzen Sie den Verlauf der Refluxkrankheit nicht: In chronischen Fällen gehören auch Geschwüre und Speiseröhrenkrebs zu den möglichen Folgen einer unbehandelten Refluxkrankheit. Umso wichtiger ist es, sich frühzeitig ärztlichen Rat einzuholen, um den Ursachen der Beschwerden nachzugehen und eine zielgerichtete Behandlung anzustoßen. Beispielsweise berät Sie der Arzt bezüglich der Einnahme von Medikamenten wie den sogenannten Protonenpumpenhemmern (PPI), die säurehemmend wirken.

Dass die Refluxkrankheit schubweise abläuft, ist typisch5: Zögern Sie den Arztbesuch daher bitte auch nicht hinaus, wenn Sie beschwerdearme oder beschwerdefreie Phasen bei sich feststellen. Eine gute erste Anlaufstelle ist Ihr Hausarzt. Gegebenenfalls überweist er Sie an einen Gastroenterologen, einem Spezialisten für Erkrankungen von Magen und Darm.

Julia Lindert
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Medizinredakteurin
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