Reizdarm: Sodbrennen als Anzeichen

21. September 2020
7 Min.
Mann mit Reizdarmsyndrom leidet unter Sodbrennen.

Etwa 15 Prozent der Deutschen leiden unter einer funktionellen Magen-Darm-Erkrankung, die keinen organischen Ursprung hat.1 Vielmehr sprechen diese chronischen oder immer wiederkehrenden Verdauungsbeschwerden häufig für ein Reizmagen- beziehungsweise Reizdarmsyndrom. Neben Bauchschmerzen, Blähungen und Völlegefühl kann auch Sodbrennen zu den Symptomen zählen.


Überblick:

Sodbrennen bei einem Reizdarmsyndrom? Ursachen und Symptome

Die Speiseröhre (in der sich das Sodbrennen bemerkbar macht) und der Darm scheinen anatomisch betrachtet relativ weit voneinander entfernt zu sein. Trotz allem ist das gesamte Verdauungssystem miteinander verbunden — und wer unter einem Reizdarm leidet, hat häufig auch mit einem Reizmagen zu kämpfen, der vorrangig zu Beschwerden im Oberbauch führen kann. Hier ist organisch schneller erklärt, wie es zum Brennen hinter dem Brustbein kommt.

Wie entsteht Sodbrennen?

Magen und Speiseröhre sind direkt miteinander verbunden. Ein spezieller Schließmuskel am Mageneingang verhindert dabei, dass Magensäure zurück in die Speiseröhre fließt und dort die Schleimhaut reizt. Ist der Schließmuskel jedoch geschwächt, kann er den Mageneingang nicht mehr richtig abdichten und es kommt durch den Rückfluss des Magensafts in die Speiseröhre zum Sodbrennen.

Das Hauptproblem beim Reizdarm- und Reizmagensyndrom ist, dass – durch Stress und eine ungesunde Lebensführung beispielsweise – die Schleimhäute der Darm- oder Magenwand übersensibel reagieren und sich die Bewegungsabläufe der Magen-Darmmuskulatur verändern: Die Verdauung erfolgt zu schnell (Durchfall) oder zu langsam. Verweilt der Nahrungsbrei zu lange in Magen oder Darm, bekommen Patienten häufig

Des Weiteren kann der Spiegel der Magensäure ansteigen. Die Säure reizt dann zunehmend den Schließmuskel oder passiert diesen und gelangt in die Speiseröhre (Reflux). Bemerkbar macht sich das möglicherweise durch ein schmerzhaftes Brennen hinter dem Brustbein und saures Aufstoßen – den wohl bekanntesten Symptomen des Sodbrennens.

Behandlung: Hilfe gegen Sodbrennen beim Reizdarmsyndrom

Sodbrennen kann sehr unangenehm sein und Betroffene wünschen sich häufig eine schnelle Linderung. Dafür haben sich verschiedene Maßnahmen bewährt, die von allgemeinen Verhaltenstipps über Hausmittel bis hin zu Medikamenten reichen.

Verhaltenstipps

Es gibt allgemeine Behandlungsmaßnahmen, die dazu beitragen, Sodbrennen oder Reizdarm-Symptome allgemein wieder loszuwerden – oder gar nicht erst aufkommen zu lassen.

Dazu gehören unter anderem:

  • Nehmen Sie häufiger kleinere Portionen zu sich, anstatt drei großer Mahlzeiten am Tag. So überfordern Sie Magen und Darm nicht so schnell.
  • Verzichten Sie abends beziehungsweise circa 2 Stunden vor dem Zubettgehen auf große, fetthaltige Mahlzeiten.2 In Kombination mit der liegenden Position beim Schlafen fördert dies den Rückfluss von Magensäure.
  • Stress und psychische Belastungen können Reizdarmsyndrom, Reflux (Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre) und damit Sodbrennen verschlimmern, also gönnen Sie sich möglichst etwas Entspannung im Alltag.
  • Genussmittel wie Kaffee und Alkohol sowie sehr fettreiches oder scharf gewürztes Essen sollten vermieden werden, denn sie regen die Produktion von Magensäure besonders an – was Brennen hinter dem Brustbein hervorrufen kann.

Hausmittel

Um bei Sodbrennen-Beschwerden im Rahmen eines Reizdarmsyndroms Abhilfe zu schaffen, verwenden viele Betroffene gerne Hausmittel, weil sie häufig gut verträglich und relativ schnell sowie leicht zu Hause umsetzbar sind:

Beispielsweise soll ein Teelöffel Natron (Natriumhydrogencarbonat) in einem halben Glas Wasser aufgelöst überschüssige Magensäure neutralisieren.3 Mit der zu trinkenden Mischung lässt sich auch die aufsteigende Säure hinunterspülen. Natron ist basisch und wirkt so einem hohen Säuregehalt entgegen.

Ist Natron gerade nicht zur Hand, können Sie auch Kaugummi kauen. Warum? Weil es den Speichelfluss anregt. Der vermehrt gebildete Speichel verdünnt die Magenflüssigkeit und spült diese beim Schlucken aus der Speiseröhre.

Ansonsten ist es aus dem gleichen Grund des „Spüleffekts“ hilfreich, Wasser zu trinken. Dabei sollte möglichst auf stilles, also kohlensäureloses Wasser geachtet werden, da die Kohlensäure mitunter das Sodbrennen verstärkt. Angewärmtes Wasser oder Tee sind auch gut bekömmliche Alternativen.

Medikamente

Gegen das Reizdarm- oder Reizmagensyndrom gibt es zwar keine speziellen Arzneimittel, doch zur Behandlung von Sodbrennen-Symptomen können Sie auf Medikamente zurückgreifen. Zum Teil sind sie freiverkäuflich in der Apotheke erhältlich. Vor allem bei längerer Einnahme sollten Sie jedoch Rücksprache mit Ihrem behandelnden Arzt halten.

Das sind die gängigsten Arzneien:

  • Antazida: binden überschüssige Magensäure und neutralisieren sie
  • Protonenpumpenhemmer: drosseln die Produktion der Magensäure
  • H2-Blocker: bremsen ebenfalls die Magensäureausschüttung
Wann mit Reizdarm und Sodbrennen besser zum Arzt?

Wenn Sie

  • zum ersten Mal,
  • besonders stark,
  • sehr lange oder
  • wiederkehrend (chronisch)

unter Sodbrennen als Symptom eines Reizdarmsyndroms leiden, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen. Der Hausarzt ist hier der beste Ansprechpartner, er kann Sie bei Bedarf an einen Facharzt, einen sogenannten Gastroenterologen, überweisen. Die Beschwerden sollten auf jeden Fall abgeklärt werden, weil auch schwere Speiseröhren- oder Magen-Darm-Erkrankungen (wie Morbus Crohn) dahinterstecken können. Nur ein Mediziner ist in der Lage, eine genaue Diagnose zu stellen und eine passende Behandlung einzuleiten.

Carolin Stollberg
Redakteur/in