Magenschmerzen und Sodbrennen – Zusammenhang & Behandlung

29. Juli 2020
11 Min.

Sodbrennen wird in vielen Fällen von unangenehmen Schmerzen im Oberbauch begleitet. Doch was war zuerst da? Haben Sie Bauchschmerzen, weil Sie häufig unter Sodbrennen leiden? Oder Sodbrennen, weil mit Ihrem Magen etwas nicht stimmt? In jedem Fall besteht Handlungsbedarf. Ergründen Sie jetzt den Zusammenhang und finden Sie heraus, wie Sie die Beschwerden lindern können.


Überblick:

Die Verbindung von Bauchschmerzen und Sodbrennen

Bauchschmerzen gehören zu den häufigen Beschwerden, die vermutlich jeder Mensch schon einmal kennengelernt hat. Besonders nach dem Essen kommt es oftmals zu Unwohlsein, Völlegefühl oder Schmerzen in der Magengegend.

Sodbrennen ist oftmals für Magenschmerzen verantwortlich

In der Alltagssprache werden Magen- und Bauchschmerzen oft synonym verwendet. Während Letztere jedoch verschiedene Bereiche des Bauches betreffen können, liegt der Magen im linken Oberbauch – und genau hier sind meist die Schmerzen lokalisiert, wenn Betroffene zusätzlich an Sodbrennen leiden. Dass Sodbrennen und Schmerzen im Oberbauch oft kombiniert auftreten, kann verschiedene Gründe haben.

1. Gestörte Magenbewegung (Motilitätsstörung)

Normalerweise kneten die Magenmuskeln den Speisebrei ordentlich durch und befördern ihn zügig in Richtung Magenausgang. Ist die Magenbewegung jedoch eingeschränkt oder verlangsamt (zum Beispiel bei einem Reizdarm oder durch die Einnahme von Medikamenten wie Antidepressiva), gerät der Transport ins Stocken. Dann verbleibt der Mageninhalt längere Zeit im oberen Bereich des Magens und kann leichter zurück in die Speiseröhre gelangen. Dort reizt die Magensäure die empfindlichen Schleimhäute und ein unangenehmes Brennen hinter dem Brustbein ist die Folge. Aber auch zusätzliche Beschwerden wie Blähungen, Völlegefühl oder Verstopfung können auf eine Beeinträchtigung der Magenbewegung hinweisen.

2. Übersäuerter Magen

In den häufigsten Fällen ist ein Zuviel an Magensäure schuld an Sodbrennen und Magenschmerzen. Die Magensäure führt zu einer Reizung der Schleimhäute im Bereich der Speiseröhre und Magenschleimhaut. Die Ursachen für einen übersäuerten Magen sind sehr vielfältig. Allerdings bringt vor allem ein ungesunder Lebensstil den Magen aus der Balance. Auslöser dafür sind beispielsweise:

Je größer und fettreicher Mahlzeiten sind, desto mehr muss der Magen leisten – und eine erhöhte Menge an Magensaft produzieren. Ebenso fördern Genussmittel wie Rauchen oder Alkohol die Übersäuerung des Magens – kein Wunder, dass viele Menschen an Feiertagen wie Weihnachten mit Sodbrennen und Bauchschmerzen zu kämpfen haben. Aber auch Dauerstress kann den Verdauungstrakt aus dem Gleichgewicht bringen. Denn bei anhaltender psychischer Belastung schaltet der Körper in Alarmbereitschaft: Während Herz- und Gehirnaktivitäten in diesem Modus zunehmen, werden Magen- und Darmaktivitäten gehemmt. Dadurch bleibt das Essen länger im Magen und es wird mehr Magensäure gebildet.

Ebenso nehmen bestimmte Medikamente (zum Beispiel Schmerzmittel) und Infektionen mit dem Bakterium Helicobacter pylori Einfluss auf die Produktion der Magensäure.

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Mögliche Folgen von säurebedingten Schmerzen im Bauch

Bleibt ein übersäuerter Magen über längere Zeit unbehandelt, können sich daraus im Verlauf Erkrankungen entwickeln. Zu den möglichen Folgen zählen:

Auch die Speiseröhre kann durch das Aufsteigen von saurem Magensaft in Mitleidenschaft gezogen werden – das ist beispielsweise bei der Refluxkrankheit der Fall. Hier kommt es zu einer Erschlaffung des Schließmuskels zwischen Magen und Speiseröhre, wodurch der vermehrte Rückfluss (Reflux) des Mageninhaltes in die Speiseröhre begünstigt wird.

Wichtiger Hinweis:

Wenn die Beschwerden länger als zwei Wochen anhalten oder immer wieder kommen, sollten Sie zur Abklärung einen Hausarzt und in der Folge eventuell einen Facharzt (Gastroenterologen) aufsuchen.1 Auch wenn weitere Symptome wie Magenkrämpfe, Schluckbeschwerden, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder sogar blutiger Stuhl auftreten, ist ein Arztbesuch dringend erforderlich.

Medikamente zur Behandlung säurebedingter Magenschmerzen

Beschwerden wie Sodbrennen und Magenschmerzen können den gesamten Alltag negativ beeinträchtigen. Regelmäßige und wiederkehrende Schmerzen stören mitunter den Nachtschlaf und mindern spürbar die Lebensqualität der Betroffenen. Es gibt jedoch verschiedene Medikamente, die in diesem Fall zum Einsatz kommen können. Dazu zählen:

  • Antazida: Die Präparate neutralisieren nicht nur die überschüssige Magen-, sondern auch die Gallensäure, welche mitunter vom Dünndarm über den Magen bis in die Speiseröhre zurückfließen kann. Gleichzeitig unterstützen Antazida die Schutzmechanismen der Magenschleimhaut. Die Medikamente wirken sehr schnell und lindern meist bereits nach wenigen Minuten die säurebedingten Beschwerden. Sie sind ohne Rezept in der Apotheke erhältlich.
  • Protonenpumpenhemmer: Die Medikamente verdanken ihren Namen ihrem Wirkmechanismus. Sie hemmen in den Zellen der Magenschleimhaut ein körpereigenes Enzym (Protonenpumpe), dass dafür verantwortlich ist, Säure in den Magen abzugeben. Da Protonenpumpenhemmer die Säureproduktion im Magen fast vollständig unterbinden, werden sie vor allem zur Behandlung von Speiseröhrenentzündung aufgrund von Reflux oder bei durch das Bakterium Helicobacter pylori verursachten Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren verordnet.
  • H2-Blocker: Gerade für Menschen, die häufig an Sodbrennen leiden, eignen sich oftmals H2-Blocker. Arzneimittel dieser Wirkstoffgruppe blockieren bestimmte Rezeptoren in der Magenschleimhaut und vermindern dadurch die Säuresekretion. Die Wirkung hält in der Regel zwischen 6 und 8 Stunden an.2
 

Darüber hinaus können auch pflanzliche Arzneimittel zur Linderung von Sodbrennen und damit einhergehenden Schmerzen im Oberbauch beitragen. Diese enthalten oft Extrakte von Heilpflanzen wie Kamille, Eibischwurzel, Liebstöckl, der Kümmelfrucht oder Ingwer.

Nicht medikamentöse Maßnahmen: Was hilft noch bei Magenschmerzen?

Neben Arzneimitteln gibt es einige weitere Möglichkeiten, die Ihnen helfen können, Sodbrennen und Magenschmerzen entgegenzuwirken und Beschwerden vorzubeugen. Vor allem die richtige Ernährung wirkt sich günstig auf Verdauungsprobleme aus.

Ernährungsumstellung bei Sodbrennen und Bauchschmerzen

Frau, die häufig an Sodbrennen und Bauschmerzen leidet, hat sich ein magenschonendes Gericht zubereitet.
Treten die Magenbeschwerden und das Sodbrennen vermehrt nach dem Essen auf, bringt eine Ernährungsumstellung oftmals Erleichterung. Hierbei können Sie Folgendes beachten:

  • Gekochtes oder gedämpftes Gemüse, Reis, Kartoffeln, Nudeln und Vollkornbrot schonen den Magen und werden meist gut vertragen. Bei akuten Beschwerden eignen sich vor allem milde breiige Speisen wie Karotten- oder Grießbrei, da sie die überschüssige Magensäure binden.
  • Fett- und zuckerreiche Lebensmittel, kohlensäurehaltige Getränke, Alkohol oder Kaffee stimulieren die Säureproduktion und sollten daher gemieden werden. Wer nicht ohne morgendlichen Kaffee in den Tag starten möchte, kann auf säurearme oder koffeinfreie Sorten zurückgreifen.
  • Regelmäßige Mahlzeiten wirken sich ebenfalls positiv auf die Verdauung aus. Statt drei großen Portionen, sollten Sie lieber fünf kleine Mahlzeiten auf den Tag verteilt essen.
  • Nehmen Sie das Abendessen nicht zu spät ein und halten Sie die Portion eher klein. Dann ist der Magen nicht so voll, wenn Sie zu Bett gehen.

Übergewicht gilt ebenfalls als ungünstiger Faktor für Sodbrennen und andere Verdauungsbeschwerden. Betroffene Menschen sollten daher eine weitere Gewichtszunahme vermeiden. Stattdessen kann das bewusste Abnehmen einiger Kilos unter Umständen zu einer Linderung der Beschwerden beitragen. Aber Achtung: Halten Sie dringend Abstand von sogenannten „Blitzdiäten“. Diese führen meist nicht zu langfristigen Erfolgen. Besser ist es, wenn Sie Ihre Ess- und Bewegungsgewohnheiten nachhaltig ändern.

Hausmittel bei Sodbrennen und Magenbeschwerden

Bei akutem Sodbrennen mit begleitenden Schmerzen im Oberbauch hilft vielen Menschen das Trinken von Kräutertees. Bewährt haben sich hier vor allem die Sorten Kamille, Malve oder Eibisch. Ebenso können ein Glas stilles Mineralwasser oder roher Kartoffelsaft eine Besserung der Beschwerden bewirken. Den Kartoffelsaft können Sie ganz einfach selbst herstellen, indem Sie rohe Kartoffeln fein raspeln und dann durch ein Küchentuch kräftig ausdrücken. Haben Sie einen Entsafter, können Sie die Kartoffeln nach dem Schälen alternativ dort hineingeben. Der Saft sollte sofort getrunken werden, da er ansonsten bitter wird.3

Auch das Kauen von Kaugummi tut Menschen mit einem übersäuerten Magen oftmals gut. Denn dadurch wird vermehrt Speichel gebildet, der die Magensäure verdünnt und dadurch die Beschwerden lindert.3

Geeignete Liegeposition bei Sodbrennen und Oberbauchschmerzen

Wer besonders nachts unter Reflux und Bauchschmerzen leidet, sollte mit einem erhöhten Kopfteil schlafen. Oftmals lässt sich der obere Teil des Lattenrostes anheben, ansonsten können Sie einen Keil unter die Matratze legen oder ein sehr dickes Kissen verwenden. Durch die geneigte Schlafposition liegt die Speiseröhre höher als der Magen und der Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre wird vermindert.

Seitenschläfer sollten sich zum Einschlafen nach links drehen. Schläft man auf der rechten Seite, kann der Mageninhalt — anatomisch bedingt — leichter in die Speiseröhre zurückfließen.

Miriam Och
Redakteur/in