Helicobacter Pylori: Symptome, Ansteckung und Behandlung

13. Februar 2020
11 Min.

Beim Magenkeim Helicobacter Pylori handelt es sich um eine Bakterienart, die den Magen besiedelt. Oftmals ist sie völlig ungefährlich und verursacht keinerlei Komplikationen. Problematisch wird es in der Regel erst dann, wenn sich der Keim in der Magenschleimhaut einnistet und deren Schutzschicht angreift. Auf diese Weise sorgt die Helicobacter-Pylori-Infektion (HP-Infektion) mitunter für Entzündungen, die zu Symptomen wie beispielsweise Sodbrennen führen und die unterschiedliche Folgeerkrankungen wie eine Magenschleimhautentzündung (Gastritis) nach sich ziehen können.

Das Helicobacter Pylori Bakterium kann die Ursache für Symptome wie Sodbrennen sein.


Im Überblick:


Was ist Helicobacter Pylori?

Helicobacter Pylori ist ein gerades oder gekrümmtes bis schraubenförmig gewundenes Bakterium, das sich an die saure Umgebung des menschlichen Magens angepasst hat. Normalerweise macht die aggressive Magensäure Bakterien unschädlich. Das Bakterium Helicobacter Pylori aber produziert ein spezifisches Eiweiß namens Urease, welches den im Magen vorhandenen Harnstoff (das Endprodukt des Eiweißstoffwechsels) in Ammoniak und Kohlendioxid umwandelt. Mithilfe des dadurch entstehenden Ammoniaks schafft es das Bakterium, einen Schutzschild zu bilden, der die Magensäure neutralisiert. Aus diesem Grund ist Helicobacter Pylori – im Gegensatz zu einer Vielzahl anderer Bakterienarten – imstande, im sauren Milieu des Magens zu überleben, sich in der Magenschleimhaut (Tunica mucosa gastrica) anzusiedeln und zu vermehren.

Häufig gestellte Fragen zur Verbreitung von Helicobacter Pylori

  • Wie und wann erfolgt die Ansteckung? Meist im Kindesalter, von Mensch zu Mensch
  • Durch was unter anderem begünstigt? Niedriger Hygienestandard, häufiger Durchfall
  • Wen betrifft´s? Die Hälfte der Weltbevölkerung hat Helicobacter Pylori im Magen „zu Gast“1
  • Wie viele Menschen haben Symptome? Ein Fünftel der Keimträger1

Wie wird Helicobacter Pylori übertragen?

Wie die Infizierung mit dem Keim vonstattengeht, ist wissenschaftlich noch nicht eindeutig geklärt. Vermutet werden zwei Übertragungswege.

  • oral-oral: beispielsweise durch Küssen auf den Mund oder bei Kleinkindern über Schnuller und Löffel beim Füttern mit Babybrei
  • fäkal-oral: zum Beispiel beim Verzehr von Lebensmitteln, die mit Erregern aus dem menschlichen Stuhl in Berührung gekommen sind (typischerweise verunreinigtes Trinkwasser vor allem in Entwicklungsländern)

Es gibt einige Risikofaktoren, die die Gefahr, sich mit Helicobacter anzustecken, erhöhen. Zu nennen sind hier unter anderem bestimmte Medikamente (beispielsweise aus dem Bereich der schmerzlindernden und entzündungshemmenden nichtsteroidalen Antirheumatika), Tabak und Stress.

Was genau geschieht bei einer Helicobacter-Pylori-Infektion?

Obwohl die Immunabwehr bei einer Infektion mit dem Bakterium H. pylori reagiert, kann das Bakterium in der Magenschleimhaut jahrzehntelang überleben. Wie macht es das? Der Grund: Neben seiner Schutzhülle aus Ammoniak raubt das Bakterium den Membranen (Hüllen) infizierter Zellen der Magenschleimhaut Cholesterin. Diese fettähnliche Substanz wird dafür benötigt, die Immunabwehr gegen Helicobacter Pylori anzukurbeln. Wird nun Cholesterin entzogen, sind die Schleimhautzellen nicht mehr in der Lage, Boten- beziehungsweise Signalstoffe des Immunsystems wahrzunehmen. Das Bakterium bleibt somit unbemerkt im Magen.2

Warum der blinde Passagier im Magen noch so gefürchtet ist:
Virulente, das heißt, aktive, ansteckende Stämme des Erregers, produzieren eine Reihe weiterer Substanzen wie beispielsweise Phospholipasen (Enzyme) und Zytotoxine, welche das Oberflächenepithel der Schleimhaut schädigen und sogar zu Nekrosen, dem Absterben des Gewebes, führen können. Ist die Magenwand oder die Magenschleimhaut betroffen, kann sich daraus ein Magengeschwür entwickeln, zu dessen Symptome starke Schmerzen und im fortgeschrittenen Stadium Blutungen gehören.

Aus einer HP-Infektion können sich ernstzunehmende Erkrankungen entwickeln, so etwa:

Zu Letzteren sind auch sogenannte Lymphome zu zählen. Dabei handelt es sich in der Regel um bösartige Tumore des Lymphgewebes, das sich generell im ganzen Körper befindet – so auch im Magen-Darm-Trakt, wenngleich Lymphome hier selten auftreten.3

Welche Helicobacter-Pylori-Symptome gibt es?

Die Infektion selbst verläuft in vielen Fällen symptomlos. Bei Betroffenen, die hingegen unter einer akuten Helicobacter-Pylori-Infektion leiden, macht sich diese zumeist durch folgende Symptome bemerkbar:

Auch eine schwarze Verfärbung der Darmentleerung (Teerstuhl) ist ein möglicher Hinweis auf eine Helicobacter-Pylori-Infektion. Da diese durch Blut im Stuhl verursacht wird und damit bereits ein Anzeichen eines Magengeschwürs oder einer schwerwiegenden Entzündung im Magen sein kann, empfiehlt es sich hier, einen Arzt zu konsultieren.

Diagnose: So wird Helicobacter Pylori nachgewiesen

Für den Nachweis des Helicobacter-Pylori-Bakteriums stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung. Eine allgemeine Unterteilung findet dabei in invasive (in den Körper eindringende) und nicht-invasive Methoden statt.

Zu den invasiven Verfahren zählen:

  • Gastroskopie (Magenspiegelung): Um sich einen Überblick über die Beschaffenheit von Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm zu verschaffen und mögliche Entzündungsreaktionen oder Geschwüre zu identifizieren, führt der Arzt ein Gastroskop (biegsamer Schlauch mit integrierter Kamera) in die Speiseröhre des Patienten ein und schiebt es weiter bis in den Magen. So kann er beispielsweise Veränderungen der Magenschleimhaut, Entzündungen oder Tumore erkennen.
  • Biopsie (Gewebeuntersuchung): Mit einer kleinen Zange entnimmt der Arzt während der Gastroskopie Gewebeproben von entsprechend auffälligen Bereichen im Magen, um diese im Labor mikroskopisch auf eine mögliche Helicobacter-Pylori-Infektion untersuchen zu lassen.
  • Nachweis von Bakterienkulturen: Anhand entnommener Gewebeproben aus dem Magen und daraus gezüchteter Helicobacter-Pylori-Bakterien, lässt sich ein Beweis für die Infektion erbringen.

Als nicht-invasive Verfahren gelten:

  • Blutprobe: Im Blut können bei einer Helicobacter-Pylori-Infektion Antikörper nachgewiesen werden, die das menschliche Immunsystem gegen das Bakterium bildet. Doch Vorsicht: Antikörper zeigen sich noch jahrelang im Blut, selbst wenn eine entsprechende medikamentöse Therapie stattgefunden hat.8 Um zu prüfen, ob eine Behandlung erfolgreich war oder nicht, ist somit ein anderes diagnostisches Verfahren zu wählen.
  • Stuhl- und Speichelprobe: Bei einer Infektion finden sich auch in Kot, Urin oder Speichel Antikörper.
  • Harnstoff-Atemtest: Hierbei handelt es sich um einen Atemgastest, bei dem der Patient zuerst einmal eine Atemprobe in einen speziellen Auffangbeutel abgibt, die später als Vergleichswert dient. Anschließend nimmt der potenziell Betroffene mit C13 markierten Harnstoff auf, entweder als Kapsel oder in flüssiger Form. C13 ist ein stabiles, nicht radioaktives Kohlenstoff-Isotop. Befindet sich Helicobacter Pylori im Körper, verstoffwechselt das Bakterium den Harnstoff in Ammoniak und Kohlendioxid. Wird das markierte Kohlenstoffdioxid C13 beim Ausatmen gemessen, ist der Magenkeim vorhanden. Liegt keine Besiedelung mit Helicobacter Pylori vor, ist kein C13 in der Atemluft nachweisbar, der Patient scheidet den C13-Harnstoff mit dem Urin aus.

Neben dem Erregernachweis dient der Atemtest auch der Erfolgskontrolle: Frühestens 4 Wochen nach einer durchgeführten medikamentösen Therapie prüft der behandelnde Arzt mithilfe einer erneuten Atemluftanalyse, ob die verabreichten Medikamente Wirkung gezeigt haben oder eine Nachbehandlung vonnöten ist.4

Wie kann eine Helicobacter-Pylori-Infektion behandelt werden?

Um gegen die Bakterien vorzugehen und die Helicobacter-Pylori-Infektion zu heilen, kommen in der Regel bakterienabtötende Antibiotika zum Einsatz. Diese werden gemeinsam mit sogenannten Protonenpumpenhemmern, die der Verringerung der Magensäureproduktion dienen, verabreicht. Gängig ist die einwöchige, verschreibungspflichtige Triple-Therapie.5 Hierbei handelt es sich um die Kombination aus zwei verschiedenen Antibiotika und einem Protonenpumpenhemmer. In circa 70 bis 80 Prozent der Fälle führt dies zum gewünschten Behandlungsziel, der Eradikation, also der vollständigen Eliminierung der Helicobacter-Pylori-Bakterien im Magen.4 Die Gründe für ein Therapieversagen sind jedoch vielfältig, beispielsweise eine

  • vorliegende Antibiotikaresistenz,
  • unregelmäßige Einnahme der Medikamente
  • oder Rauchen.6

Bleibt also die Dreifach-Therapie erfolglos, schließt die sogenannte Vierfach-Therapie an: Bei dieser nimmt der Patient 1 bis 2 Wochen lang ergänzend zum Protonenpumpenhemmer und den beiden Antibiotika ein drittes Antibiotikum oder ein Präparat mit antibakteriell wirksamem Bismut (Mineral) ein.7

Mit Helicobacter infiziert – eine einmalige Sache?

Für Personen, die sich einer Therapie zur Eradikation des Magenkeims unterzogen haben, stehen die Chancen gut: Eine erneute Infektion ist selten.8

Medikamentöse Behandlung abgeschlossen – und nun?

Natürlich braucht es einiges an Zeit, bis sich die geschädigte Magenschleimhaut erholt hat. Um es ihr einfacher zu machen, können Ärzte dazu raten, eine Zeit lang weiterhin säurehemmende Medikamente wie etwa Antazida oder Protonenpumpenhemmer einzunehmen.

Daneben gibt es einen weiteren Baustein, der den Genesungsprozess unterstützt: eine magenschonende Ernährung.

Hier ein paar Tipps:

  • gerne zugreifen: leichte Vollkost (Mischkost, bei der Lebensmittel vermieden werden, die Sodbrennen oder andere Magen-Darm-Beschwerden hervorrufen); Kaltauszüge aus entzündungshemmenden Heilpflanzen wie Isländisch Moos, Leinsamen und Eibisch
  • hiervon lieber Finger weg: scharfe, kräftig gebratene oder frittierte Gerichte, Zitrusfrüchte, schwer verdauliche Lebensmittel wie Weißkohl, Lauch und Paprika, stark erhitzte Fette, Alkohol, Kaffee

Generell ist es empfehlenswert, die tägliche Nahrungsmenge auf mehrere kleine, statt wenige große Mahlzeiten zu verteilen. Geeignete Zubereitungsarten sind unter anderem Dämpfen, Dünsten oder Garen in Folie. Bei Fragen zur Ernährung können Sie Ihren Arzt bitten, Ihnen Adressen von Ernährungsberatungen zu geben.

Jan Zimmermann
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Julia Lindert
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