Helicobacter Pylori – ein Keim mit zwei Gesichtern

Beim Helicobacter Pylori handelt es sich um eine Bakterienart, die den Magen nach einer Ansteckung besiedelt. Oftmals ist sie völlig ungefährlich und verursacht keinerlei Komplikationen. Zu einer Gefahr wird der Keim in der Regel erst dann, wenn er sich in der Magenschleimhaut einnistet und deren Schutzschicht angreift. Auf diese Weise sorgt die Helicobacter-Pylori-Infektion mitunter für Entzündungen, die zu Symptomen wie beispielsweise Sodbrennen führen und unterschiedliche Folgeerkrankungen nach sich ziehen können. Das Helicobacter Pylori wird daher für schwerwiegende Erkrankungen wie chronische Gastritis (Magenschleimhautentzündung), Magen- und Darmgeschwüre oder auch Magenkarzinome (Tumoren) verantwortlich gemacht.

Was ist Helicobacter Pylori?

Das Helicobacter Pylori Bakterium kann die Ursache für Symptome wie Sodbrennen sein.

Helicobacter Pylori ist spiralförmig gewunden oder gebogen und gehört zu den Arten von Bakterien, die sich an die saure Umgebung des menschlichen Magens angepasst haben. Es produziert ein spezifisches Eiweiß namens Urease, welches Harnstoff (das Endprodukt des Eiweißstoffwechsels) in Ammoniak und Kohlendioxid umwandelt. Mithilfe des entstehenden Ammoniaks ist es dem Bakterium möglich, einen Schutzschild zu bilden, der die Magensäure neutralisiert. Aus diesem Grund ist Helicobacter Pylori – im Gegensatz zu einer Vielzahl anderer Bakterienarten – imstande, im menschlichen Magen zu überleben und sich in der Magenschleimhaut (Tunica mucosa gastrica) anzusiedeln und zu vermehren.

Gut zu wissen – weltweite Verbreitung von Helicobacter Pylori:

  1. Rund 80 Prozent der Bevölkerung in den Ländern der Dritten Welt sind bereits im Alter von 20 Jahren mit Helicobacter Pylori infiziert.

  2. In den westlichen Industrienationen sind es nur 20 bis 30 Prozent der 20-jährigen, jedoch 50 bis 60 Prozent der über 50-jährigen Bevölkerung.

  3. Beengte Wohnverhältnisse, ein niedriger Hygiene- und Lebensstandard sowie die Anzahl der Geschwister sind Ursachen für eine hohe Infektionsrate.1

Wie die Infizierung mit dem Keim vonstattengeht, ist wissenschaftlich noch nicht eindeutig geklärt. Vermutet werden folgende zwei Übertragungswege:

  • Mund zu Mund: beispielsweise durch Küssen auf den Mund oder bei Kleinkindern über Schnuller und Löffel beim Füttern mit Babybrei
  • fäkal-oral: zum Beispiel beim Verzehr von Lebensmitteln, die mit Erregern aus dem menschlichen Stuhl in Berührung gekommen sind (typischerweise verunreinigtes Trinkwasser vor allem in Entwicklungsländern)

Mitunter wird das Helicobacter Pylori für eine erhöhte Anfälligkeit für (chronische) Magenschleimhautentzündungen oder Geschwüre im Magen-Darm-Trakt verantwortlich gemacht.

Welche Helicobacter-Pylori-Symptome gibt es?

Obwohl sich das Bakterium bei vielen Menschen über mehrere Jahre hinweg und nicht selten bereits seit dem Kindesalter im Körper befindet, treten in verhältnismäßig wenigen Fällen tatsächliche Beschwerden auf. Bei Betroffenen, die hingegen unter einer akuten Helicobacter-Pylori-Infektion leiden, macht sich diese in der Regel durch folgende Symptome bemerkbar:

  • Unwohlsein oder Übelkeit
  • Erbrechen
  • Schmerzen im Oberbauch
  • Sodbrennen
  • Blähungen
  • Durchfall
  • Aufstoßen
  • Druck- oder Völlegefühl im Magen
  • Appetitlosigkeit

Auch eine schwarze Verfärbung des Stuhls (Teerstuhl) ist ein möglicher Hinweis auf eine Helicobacter- Pylori-Infektion. Da diese durch Blut im Stuhl verursacht wird und damit bereits ein Anzeichen eines Magengeschwürs oder einer schwerwiegenden Entzündung im Magen sein kann, empfiehlt es sich hier, einen Arzt zu konsultieren.

Was geschieht bei einer Helicobacter-Pylori-Infektion?

Durch die Produktion von Ammoniak der Helicobacter-Pylori-Bakterien und ihre damit verbundene Immunität gegen die eigentlich antibakterielle Magensäure stellt sich eine stets erhöhte Aktivität des Immunsystems ein. Mit dieser reagiert der Körper zwar auf die Helicobacter-Pylori-Infektion, kann jedoch aufgrund ihrer Lage im Inneren des Magens nicht wirkungsvoll gegen sie vorgehen. Das Bakterium entzieht nämlich der Magenschleimhaut Cholesterin, was dafür sorgt, dass die umliegenden Schleimhautzellen unfähig gemacht werden, Botenstoffe des Immunsystems wahrzunehmen.2 Diese greifen das Bakterium deshalb trotz der Immunreaktion des Körpers nicht an und es entsteht eine Nische in der das Bakterium überleben kann. Auf diese Weise ist es ihm möglich, über einen langen Zeitraum im Magen zu verbleiben, was die Chance der Entstehung verschiedener Nachfolgeerkrankungen erhöht.

Zusätzlich produziert der Erreger eine Reihe weiterer Substanzen wie beispielsweise Zytotoxine (Gifte, die unter anderem die Zellwand schädigen) oder Phospholipasen (Enzyme), die die Magenschleimhaut angreifen und ihr langfristig Schaden zufügen.

Die aus dem Helicobacter-Pylori-Befall resultierende Entzündungsreaktion der Magenschleimhaut (Gastritis) sorgt für eine besondere Anfälligkeit und eine verringerte Resistenz gegen eine Reihe unterschiedlicher Erkrankungen:

  • chronische Gastritis
  • Geschwüre im Magen oder Zwölffingerdarm
  • Tumore oder Karzinome in der Magen-Darm-Gegend

Zu letzteren sind auch sogenannte Lymphome zu zählen. Dabei handelt es sich um bösartige Auswüchse im Bereich des Lymphgewebes von Magen und Darm. Verglichen mit Wucherungen im Magen-Darm-Bereich sind diese jedoch eher selten.

Wie wird Helicobacter Pylori nachgewiesen?

Für den Nachweis des Helicobacter-Pylori-Bakteriums stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung. Eine allgemeine Unterteilung findet dabei in invasive (in den Körper eindringende) und nicht-invasive Methoden statt.

Zu den invasiven Verfahren zählen:

  • Gastroskopie (Magenspiegelung): Bei der Gastroskopie oder Magenspiegelung wird eine Sonde in das Mageninnere eingeführt. Der Arzt kann auf diese Weise mögliche Entzündungsreaktionen oder Geschwüre identifizieren.
  • Biopsie (Gewebeuntersuchung): Während der Gastroskopie entnimmt der Arzt Gewebeproben von entsprechend auffälligen Bereichen im Magen und untersucht sie mikroskopisch auf eine mögliche Helicobacter-Pylori-Infektion.
  • Nachweis von Bakterienkulturen: Anhand entnommener Gewebeproben aus dem Magen lassen sich die Helicobacter-Pylori-Bakterien gegebenenfalls züchten und auf diesem Weg nachweisen.

Als nicht-invasive Verfahren gelten:

  • Blutprobe: Im Blut können bei einer Helicobacter-Pylori-Infektion Antikörper nachgewiesen werden, die das menschliche Immunsystem gegen das Bakterium bildet. Je nachdem wie groß die Menge an Antikörpern ist, sind Rückschlüsse auf den Grad der Infektion möglich.
  • Stuhl- und Speichelprobe: Genau wie im Blut lassen sich bei einer Infektion auch in Kot, Urin oder Speichel Antikörper finden.
  • Harnstoff-Atemtest: Im Rahmen dieses Tests nimmt der potenziell Betroffene, chemisch markierten Harnstoff auf. Befindet sich Helicobacter Pylori im Körper, setzt es den Harnstoff durch seinen Stoffwechselprozess in Kohlenstoffdioxid (CO2) um, der dann beim Ausatmen gemessen und durch die Markierung nachgewiesen werden kann. Das bedeutet, die chemische Struktur des Harnstoffs und somit auch die des ausgeatmeten Kohlenstoffs wird verändert und ermöglicht das Testverfahren. Befindet sich das Bakterium nicht im Körper, bleibt diese Messung ergebnislos.

Letzteres wird zudem als eine unaufwändige Vorsorgeuntersuchung auch für jüngere Menschen empfohlen, die noch nicht unter Beschwerden leiden.

Wie kann eine Helicobacter-Pylori-Infektion behandelt werden?

Zur Behandlung des Helicobacter-Pylori kommen in der Regel Antibiotika zum Einsatz, die gemeinsam mit sogenannten Protonenpumpenhemmern, zur Verringerung der Magensäureproduktion, verabreicht werden. Die Methode, die am häufigsten Anwendung findet, ist die Triple-Therapie. Hierbei handelt es sich um die Kombination aus zwei verschiedenen Antibiotika und einem Protonenpumpenhemmer, die über den Zeitraum von ein bis zwei Wochen Anwendung finden.3 Ist diese Methode nicht erfolgreich, kann mit der sogenannten Vierfach-Therapie ergänzt werden. Bei dieser werden zusätzlich zum Protonenpumpenhemmer nicht zwei, sondern insgesamt drei verschiedene Antibiotika eingenommen.

Ziel der Behandlung ist die Eradikation – also die vollständige Eliminierung – der Helicobacter-Pylori-Bakterien im Magen.

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1Adler, Guido u.a.: Klinische Gastroenterologie und Stoffwechsel. Berlin/Heidelberg/NewYork: Springer-Verlag 2000. S.210.
2Max-Planck-Gesellschaft: Magenbakterium im toten Winkel des Immunsystems. URL: https://www.mpg.de/11973999/helicobacter-pylori-cholesterin (19.10.2018).
3Internisten im Netz: HELICOBACTER-INFEKTION: DIAGNOSE & THERAPIE. URL: https://www.internisten-im-netz.de/krankheiten/helicobacter-infektion/diagnose-therapie.html (19.10.2018).