Reizmagen als Ursache für Sodbrennen

Der Reizmagen – auch nervöser Magen oder funktionelle Dyspepsie genannt – kann eine Ursache für Sodbrennen sein. Beim Reizmagen handelt es sich um eine Erkrankung mit einer Vielzahl von Beschwerden im Bereich des Oberbauchs, bei der die Funktion des Magens ohne eine erkennbare organische Ursache gestört wird. Halten die Symptome für mehr als drei Monate an beziehungsweise treten wiederholt für mehrere Tage oder Wochen auf, spricht man in der Regel von einem Reizmagen.1

Was sind die Reizmagen-Symptome?

Frau hält sich den Bauch mit schmerzverzerrtem Gesicht

Bei einem Reizmagen können die Symptome sehr vielfältig sein. Nicht selten ist Sodbrennen eines davon. Hierbei handelt es sich um eine Reizung der Speiseröhre, die in der Regel aufgrund von aufsteigendem Mageninhalt verursacht wird. Gerade beim Liegen, Bücken, nach der Nahrungsaufnahme oder bei körperlicher Belastung überwindet die Magensäure leicht den Schließmuskel am Mageneingang. So gelangt sie in die Speise- beziehungsweise Luftröhre und erzeugt einen brennenden Schmerz hinter dem Brustbein, Druck im Magen, einen säuerlichen Geschmack im Mund oder Hustenreiz. Verantwortlich sind dafür unter anderem übermäßiger Stress, eine unausgewogene, fetthaltige Ernährung oder eine Schwangerschaft:

  • Bei Stress schüttet der Körper Hormone aus, welche die Verdauung verlangsamen und dafür sorgen, dass die Nahrung länger im Magen verbleibt. So besteht eine höhere Chance, dass sich die Magensäure ihren Weg in die Speiseröhre bahnen kann.
  • Eine unausgewogene und fetthaltige Ernährung steigert möglicherweise die Häufigkeit von Reflux, also dem Zurückfließen von Mageninhalt. Genussmittel wie Zigaretten können außerdem für eine veränderte Zusammensetzung des Speichels sorgen. Dieser wird weniger basisch und kann die Säure im Magen schlechter neutralisieren. Zudem können Zigaretten und Alkohol für eine Erschlaffung der Muskulatur zwischen Magen und Speiseröhre verantwortlich sein, was das austreten der Magensäure begünstigt.
  • Auch die körperlichen Prozesse während einer Schwangerschaft können eine Ursache sein. Einerseits setzen sie Hormone frei, welche die glatte Muskulatur flexibler und dehnbarer macht und somit auch Einfluss auf die Muskeln im Bereich des Magens und der Speiseröhre nimmt. Andererseits führt das Wachstum des Kindes im Mutterleib dazu, dass die Gebärmutter nach oben gegen Magen und Mageninhalt drückt.

Neben Sodbrennen äußern sich die Beschwerden bei einem Reizmagen außerdem durch:

  • saures Aufstoßen
  • Übelkeit
  • Völle-, Druck- oder vorzeitiges Sättigungsgefühl
  • Blähungen
  • Unregelmäßigkeiten im Stuhl.

Nicht selten berichten Betroffene auch von verringerter Konzentrationsfähigkeit, Müdigkeit, Kreislaufproblemen oder Herzrasen. Sollte zusätzlich Blut im Stuhl, ein deutlicher Gewichtsverlust, Nachtschweiß oder sehr hohes Fieber (über 38,5 Grad C) festgestellt werden, empfiehlt es sich, umgehend ärztlichen Rat von einem Gastroenterologen oder einem Internisten einzuholen.1 Diese Symptome können auf eine schwerwiegende organische Ursache hindeuten, die genauer untersucht werden sollte.

Faktoren, die einen Reizmagen begünstigen

Ein Reizmagen hat keine erkennbare organische Ursache, vielmehr leiden Betroffene unter einem überaus empfindlichen Nervensystem, das den Magen gegenüber äußeren und inneren Faktoren anfällig macht. Begünstigende Faktoren für einen Reizmagen sind daher:

  • Stress im Alltag
  • erhöhte Empfindlichkeit der Nerven im Magen (Viszerale Hypersensibilität)
  • genetische Vorbelastung (Mutation bestimmter Gene, die eine Reizmagen-Erkrankung begünstigen können)
  • verminderte Beweglichkeit des Magens nach Nahrungsaufnahme (Motilitätsstörung)
  • bakterielle Infektion
  • erhöhte Säureproduktion des Magens

In manchen Fällen ist es zudem möglich, dass auch Lebensmittelunverträglichkeiten, wie beispielsweise Laktoseintoleranz, ein auslösender Faktor für einen Reizmagen sein können.

Reizmagen-Behandlung: Was kann getan werden?

Da die genaue Herkunft eines Reizmagens bislang nicht zweifelsfrei festzustellen ist, kann keine ursächliche, sondern nur eine symptomatische Behandlung durchgeführt werden. In erster Linie liegt der Fokus bei der Reizmagen-Behandlung also auf einer Linderung der Beschwerden. Hierfür gilt es, möglichst viele der Faktoren zu eliminieren, die einen Reizmagen begünstigen können.

Ein erster und effektiver Schritt kann dabei schon das Wissen um die Erkrankung sein. Zwar handelt es sich bei einem Reizmagen um kein psychisches Leiden, dennoch spielt die Psyche für manche Symptome eine nicht zu unterschätzende Rolle. Schon das Verständnis für die Art der Krankheit sowie deren unterschiedlichen Merkmale, trägt bereits zu einer Linderung der Beschwerden bei, da sich auf diese Weise eine mögliche Ungewissheit und damit verbundener Stress verringert.

Positiv wirkt sich möglicherweise auch eine Veränderung der eigenen Lebensweise auf den Magen aus. Folgende Maßnahmen können helfen, das Wohlbefinden zu steigern:

  • eine Verringerung von Stress im Alltag (zum Beispiel im Berufsleben)
  • körperliche Betätigung durch regelmäßigen Sport
  • fest eingeplante Entspannungs- und Erholungsphasen über den Tag verteilt

Auch Wechsel- und Saunabäder oder gezielte Massagen stellen Möglichkeiten der Entspannung dar, auf die hier gerne zurückgegriffen wird.

Reizmagen: Ernährung ist essentiell

Bei der Behandlung eines Reizmagens nimmt auch die Ernährung eine wichtige Position ein. Um die Beschwerden des Reizmagens zu verringern, ist es empfehlenswert, anstelle von wenigen großen, eine Vielzahl kleiner Mahlzeiten über den Tag zu verteilen. Außerdem ist es ratsam, auf besonders blähende und fette Lebensmittel zu verzichten. Dies kann unter anderem dabei helfen, das Völle- oder Druckgefühl im Bauch zu verringern.

Auch basenreiche Kost – in flüssiger und fester Form — ist zu bevorzugen. Das heißt, es empfiehlt sich, vor allem auf obst- und gemüsehaltige Nahrung (auch Frucht und Gemüsesäfte) bei einer Erkrankung mit Reizmagen zu setzen. Durch diese Form der Ernährung wird einerseits der natürliche Säure-Basen-Haushalt des Körpers unterstützt, der unter anderem für den Transport der Nährstoffe und des Sauerstoffs im Blut, für die Wirksamkeit von Enzymen und Hormonen oder die Reizleitung im Nervensystem verantwortlich ist. Andererseits findet auf diese Weise eine Entlastung des Verdauungssystems statt, welches durch leicht verdauliche Nahrung geringere Mengen an Magensäure produziert und somit das Risiko von Sodbrennen minimiert.

Da Lebensmittel von Person zu Person unterschiedlich vertragen werden, bietet es sich an, Nahrungsmittel, die die genannten Symptome des Reizmagens hervorrufen oder verstärken, über das Führen eines Ernährungstagebuchs zu identifizieren. Auf diesem Weg besteht außerdem die Möglichkeit, jene Lebensmittel ausfindig zu machen, die zu einer Abschwächung der Symptome führen können.

Verschiedene andere Mittel gegen Reizmagen

Da sich ein Reizmagen nicht ursächlich, sondern nur symptomatisch behandeln lässt, ist auch eine

medikamentöse Behandlung lediglich als eine Methode zur Linderung

der Symptome zu verstehen. Insgesamt werden drei Kategorien von Mitteln gegen Reizmagen unterschieden, die zum Einsatz kommen können:

  • Präparate zur Hemmung der Säureproduktion im Magen (sogenannte Protonenpumpenhemmer)
  • Medikamente zur Verbesserung der Beweglichkeit des Magens (sogenannte Prokinetika) können helfen, die Magenentleerung zu beschleunigen
  • pflanzliche Heilmittel (zum Beispiel aus Kümmel, Anis, Fenchel, Pfefferminze) zur Anregung der Verdauung

In welchem Umfang und über welchen Zeitraum das Einnehmen von Medikamenten oder anderen Mitteln gegen Reizmagen notwendig ist, sollte in jedem Fall mit einem Arzt abgestimmt werden.

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1Greten, H., Rinninger, F., Greten, T. (Hrsg.)(2010): Innere Medizin. Stuttgart: Georg Thieme Verlag. S.714.