Ständiges Sodbrennen: Ursachen und mögliche Folgen

22. Dezember 2020
6 Min.

Viele Menschen leiden gelegentlich unter Sodbrennen, bei manchen wird das unangenehme Brennen hinter dem Brustbein jedoch zu einem ständigen Begleiter. Gehören Sie auch dazu? Dann sollten Sie die Auslöser von einem Arzt abklären lassen und das Sodbrennen richtig behandeln – auch um schwere Spätfolgen zu vermeiden.

Frau, die an ständigem Sodbrennen leidet, hat Schmerzen im Brustbereich.


Überblick:


Ein paar Fakten

Sodbrennen ist eine der häufigsten Beschwerden in Deutschland:1

  • Etwa 30 Prozent der Bevölkerung leiden zumindest einmal im Jahr an dem Brennen in der Brust.
  • Davon klagen etwa 25 Prozent einmal die Woche über Sodbrennen, bei 10 Prozent treten die brennenden Schmerzen sogar täglich auf.
  • Schätzungsweise 60 bis 90 Prozent der Betroffenen haben chronisches Sodbrennen, das heißt, die Beschwerden bestehen über Jahre.

Gründe für ständiges Sodbrennen

In den meisten Fällen ist ständiges Sodbrennen auf die sogenannte Refluxkrankheit zurückzuführen. Dabei kommt es zu einem übermäßigen Rückfluss des Mageninhaltes in die Speiseröhre, weil der Muskel am Mageneingang nicht richtig schließt. Manchmal besteht eine genetisch bedingte Schlaffheit des Schließmuskels. Ebenso können

die Muskelspannung mindern. Typische Symptome des Reflux sind saures Aufstoßen und Sodbrennen, die vor allem nach Mahlzeiten oder im Liegen auftreten.

Hinter häufigem Sodbrennen stecken jedoch manchmal auch andere Gründe. So müssen ebenfalls Erkrankungen wie ein Zwerchfellbruch oder Reizmagen in Betracht gezogen werden.

Gut zu wissen:

Frauen während der Schwangerschaft leiden ebenfalls vermehrt an Sodbrennen – vor allem im letzten Schwangerschaftsdrittel. Dies liegt an den hormonellen und körperlichen Veränderungen der werdenden Mamis.

Wie gefährlich ist ständiges Sodbrennen?

Unabhängig davon, was die Ursache ist, sollte Sodbrennen auf Dauer verhindert werden, da die aufsteigende Magensäure die Schleimhaut angreift. Denn durch die stark ätzende Wirkung besteht über längere Zeit die Gefahr, dass es zu einer Speiseröhrenentzündung kommt. In der Folge können sich zudem Narben oder Geschwülste bilden, die die Speiseröhre verengen und das Schlucken erschweren.

Etwa 10 Prozent aller Patienten mit Entzündungen der unteren Speiseröhre entwickeln außerdem einen sogenannten Barrett-Ösophagus.2 Von dieser Krankheit sprechen Mediziner, wenn der andauernd gesteigerte Säure- und Gallerückfluss (Reflux) das Gewebe im unteren Teil der Speiseröhre verändert und eine innerlich verkürzte Speiseröhre entsteht. Die krankhafte Gewebeveränderung gilt als Vorstufe von Speiseröhrenkrebs und sollte daher frühzeitig behandelt werden.


Was tun gegen ständiges Sodbrennen?

Gelegentliches Sodbrennen bekommen Betroffene durch das Meiden typischer Auslöser wie Genussmittel oft schnell selbst in den Griff. Ebenso können Hausmittel oder Medikamente zur Linderung der Beschwerden beitragen.

Wer unter chronischem Sodbrennen leidet, sollte jedoch nicht zögern, sondern einen Experten aufsuchen. Erster Ansprechpartner ist in der Regel der Hausarzt, der zunächst eine Grunddiagnose durchführt und Patienten gegebenenfalls an ein spezielles Refluxzentrum überweist. Hier werden dann weitere Untersuchungen durchgeführt.

Zur Behandlung von Sodbrennen stehen Arzneimittel mit verschiedenen Wirkstoffen zur Verfügung, die darauf abzielen, die Magensäure zu reduzieren. Während sogenannte Antazida bei gelegentlichem Sodbrennen das Mittel der Wahl sind, empfiehlt der Arzt bei häufigen Beschwerden meist Protonenpumpenhemmer (PPI) oder H2-Blocker.3 Sie wirken zwar nicht sofort, sondern etwas verzögert, halten dafür aber länger an. Aufgrund möglicher Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Schwindel oder Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall, sollte eine medikamentöse Langzeittherapie immer unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.


Um den Reflux bei geschwächtem Schließmuskel zu verhindern, gibt es mittlerweile auch die Möglichkeit zur Implantation von Neurostimulatoren, die ähnlich wie Herzschrittmacher funktionieren. Sie senden leichte elektrische Stromimpulse aus, wodurch sich der Muskel zwischen Speiseröhre und Magen besser verschließt.

Bei einer diagnostizierten Refluxkrankheit können weitere operative Eingriffe wie eine Fundoplicatio (Teil der Magenwand wird in Form einer Manschette um den unteren Teil der Speiseröhre genäht) in Erwägung gezogen werden. Letztendlich erfolgt die Therapie immer nach individueller Abwägung aller Kriterien.

Miriam Müller
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Medizinredakteurin und Kommunikationswissenschaftlerin
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