Aufstoßen: Ursachen und Tipps

4. Februar 2020
12 Min.

Aufstoßen ist eigentlich ein ganz natürlicher Vorgang: Der Körper lässt Luft aus dem Magen nach oben über Speiseröhre und Mund entweichen. Umgangssprachlich wird dieser Vorgang oft als Rülpsen bezeichnet. Das mag in Gesellschaft etwas unangenehm sein, ist aber meist harmlos. Erst wenn weitere Symptome wie Sodbrennen oder Schmerzen in der Brust hinzukommen, kann häufiges Aufstoßen ein Grund zur Besorgnis sein.

Frau leidet unter unangenehmem Aufstoßen.


Zum Thema:

Wie kommt es zum Aufstoßen?

Zu hastiges Essen, kohlensäurehaltige Getränke oder Kaugummi kauen: Es gibt viele Gründe dafür, warum sich überschüssige Luft im Magen ansammelt und von dort aus versucht, zu entweichen – nach unten (Blähungen) oder nach oben (Aufstoßen). Aber wie genau kommt es dazu?

Der Magen ist eigentlich durch einen Schließmuskel (Ösophagussphinkter) zur Speiseröhre nach oben hin verschlossen. Befindet sich jedoch zu viel Luft im Magen, kann es passieren, dass der Schließmuskel dem Druck nicht mehr gewachsen ist, er sich öffnet und die Luft nach oben entweicht. Die Folge: Wir müssen aufstoßen.

Wie viel Aufstoßen ist normal?

Es gibt keine feste Definition, die besagt, wie viel Aufstoßen unbedenklich ist und ab wann es zum Problem wird. „Wie häufig noch normal ist” hängt vor allem von der persönlichen Empfindung des Betroffenen ab und davon, als wie störend er das Aufstoßen betrachtet.

Aufstoßen und Sodbrennen – der Zusammenhang

Neben Luft gelangen manchmal auch Nahrungsbrei sowie Magensäure mit nach oben in den Hals. Mediziner sprechen dann von einer Regurgitation.

Das Aufstoßen von Magensäure löst ein unangenehmes Brennen in der Speiseröhre aus, dass wir als Sodbrennen kennen. Tritt dauerhaft Magensäure in die Speiseröhre ein, sind Schädigungen möglich. Beispielsweise kann eine Entzündung verursacht und langfristig die Entstehung von Speiseröhrenkrebs gefördert werden. Betroffene sollten daher bei regelmäßigem sauren Aufstoßen den Arzt aufsuchen. Wenn sie jedoch nur ab und an Luft aufstoßen, ist das noch kein Grund zur Sorge.

Welche Ursachen gibt es für das Aufstoßen?

Die Gründe für das Aufstoßen sind vielfältig, in der Regel aber harmlos. Erkrankungen sind eher selten der Auslöser.

Die Ursachen:

Ernährung als Grund für Aufstoßen

Bei der Verdauung mancher blähend wirkender Lebensmittel werden im Verdauungstrakt vermehrt Gase freigesetzt, was Aufstoßen begünstigt. Zu diesen Nahrungsmitteln gehören beispielsweise Kohl, Paprika, Hülsenfrüchte, Hefe und Kaffee.

Weitere Aspekte können Aufstoßen und Sodbrennen ebenfalls hervorrufen:

  • Sehr scharfe, saure oder fettige Speisen sind für den Körper allgemein eher schwer zu verdauen und fördern die Bildung von Gasen.
  • Hastiges Essen oder Sprechen während des Kauens führt dazu, dass Luft beim Schlucken in den Magen gelangt.
  • Durch das Trinken kohlensäurehaltiger Getränke, wie Sprudelwasser oder Limonade, kommt vermehrt Gas in den Magen, von wo es dann unter Umständen nach oben entweicht.
  • Alkohol unterstützt die Magensäureproduktion und verursacht so gegebenenfalls Aufstoßen und Sodbrennen.

Nahrungsmittelintoleranz als Auslöser?

Tritt vermehrtes Aufstoßen nach dem Verzehr bestimmter Speisen auf, liegt möglicherweise eine Lebensmittelunverträglichkeit vor, zum Beispiel eine Laktose- oder Fruktoseintoleranz. Zur sicheren Feststellung einer Unverträglichkeit ist die Diagnose durch den Arzt nötig.

Einfluss von Medikamenten beim Aufstoßen

Manche Medikamente haben die Nebenwirkung, dass sie den Schließmuskel am Mageneingang erschlaffen lassen. Luft und Magensäure können so leichter nach oben entweichen. Vermehrtes Aufstoßen und Sodbrennen sind daher als Folge der Medikamenteneinnahme nicht auszuschließen.

Arzneimittel, die häufig mit der Entstehung von Sodbrennen in Verbindung gebracht werden, sind unter anderem die von vielen Menschen als Schmerzmittel eingenommenen nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR), zum Beispiel mit dem Wirkstoff Ibuprofen. Und auch Psychopharmaka, beispielsweise zur Behandlung von psychischen Erkrankungen wie Angststörungen, können als Nebenwirkung saures Aufstoßen verursachen.

Wie Stress auf die Magensäure wirkt

Auch psychische Anspannung kann häufiges saures Aufstoßen bewirken. Bei anhaltendem Stress fokussiert sich der Körper auf das, was für ihn in diesem Moment am wichtigsten ist. So wird zum Beispiel der Blutdruck erhöht und der Herzschlag beschleunigt, um Gehirn und Muskeln vermehrt mit Sauerstoff zu versorgen. Die Verdauung spielt derweil eine Nebenrolle und wird durch Mechanismen des Nervensystems verlangsamt. Als Folge verbleibt aufgenommene Nahrung länger im Magen und sammelt sich dort an — was wiederum saures Aufstoßen und Sodbrennen fördert.

Häufiges Aufstoßen während der Schwangerschaft

Viele Frauen leiden in der Schwangerschaft vermehrt unter Aufstoßen und Sodbrennen. Dies liegt vor allem an den hormonellen Veränderungen, welche unter anderem eine muskelentspannende Wirkung haben. Zwar soll der Mechanismus vor allem die Uterusmuskulatur auf die anstehende Geburt vorbereiten, es kann jedoch auch vorkommen, dass der Ösophagussphinkter ebenfalls an Spannung verliert. Zudem wird durch das wachsende Baby von unten Druck auf den Magen ausgeübt. Dadurch kommt es gehäuft vor, dass Luft und Magensäure in die Speiseröhre aufsteigen und die werdenden Mütter aufstoßen müssen beziehungsweise Sodbrennen verspüren. Nach der Geburt lässt diese lästige Schwangerschaftsbeschwerde in der Regel jedoch schnell wieder nach.

Ähnlich wie bei einer Schwangerschaft verhält es sich übrigens auch bei starkem Übergewicht. Durch die überflüssigen Pfunde wird vermehrt Druck auf den Magen ausgeübt, was das Austreten von Luft und Säure in die Speiseröhre begünstigt.

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Aufstoßen als Symptom einer Erkrankung

Übermäßiges Aufstoßen kann außerdem ein Hinweis auf eine Erkrankung sein. Infrage kommen etwa:

  • Refluxkrankheit: Der Schließmuskel zwischen Speiseröhre und Magen schließt nicht richtig, Luft und Magensäure steigen nach oben.
  • Gastritis: Die Magenschleimhautentzündung kann beispielsweise durch chronischen Stress ausgelöst werden und macht sich in vielen Fällen durch Aufstoßen und Sodbrennen sowie Magenschmerzen bemerkbar.
  • Zenker-Divertikel: Dabei kommt es zu Aussackungen in der Speiseröhrenschleimhaut, in welchen sich womöglich Nahrungsbrei sammelt. Neben häufigem Aufstoßen können auch Mundgeruch und massive Schluckstörungen Anzeichen für Zenker-Divertikel sein.
  • Darmverschluss: Der Darm ist versperrt oder gelähmt, Nahrung kann nicht weiter transportiert werden. Eine mögliche Folge: Der Nahrungsbrei gelangt zurück in den Magen und wird von dort wieder nach oben in Speiseröhre und Mund aufgestoßen. Aufgrund der bereits vorangeschrittenen Verdauung kann beim Aufstoßen ein unangenehm nach Kot riechender Geruch mit aufsteigen. Ein Darmverschluss ist ein medizinischer Notfall und muss umgehend behandelt werden.
  • Speiseröhrenverengung: Kommt beim Aufstoßen unverdauter Nahrungsbrei mit nach oben, kann das auf eine verengte Speiseröhre hindeuten. Mitunter können Tumore der Grund für die Verengung sein. Doch auch angeborene Engstellen sind möglich.
Geruch nach faulen Eiern beim Aufstoßen?

Bei der Verdauung von manchen Lebensmitteln, wie Eiern oder Milchprodukten, wird unter anderem das Gas Schwefelwasserstoff freigesetzt. Dieses kann für einen unangenehmen Geruch nach faulen Eiern beim Aufstoßen verantwortlich sein. Zudem fördern manche Erkrankungen, wie eine chronische Magenschleimhautentzündung, die Produktion des Gases.

Tipps und Tricks: Was tun bei Aufstoßen?

Steckt eine Erkrankung hinter dem Aufstoßen, muss diese von einem Arzt abgeklärt und individuell behandelt werden. Häufig ist das Aufstoßen aber auf schlechte Lebensgewohnheiten zurückzuführen und lässt sich mit kleineren Maßnahmen lindern.

Folgende Behandlungsfaktoren können hier genannt werden:

Richtiges Essverhalten und Ernährung

Ganz egal, ob es nur Luft ist, die entweichen muss, oder ob das Brennen aufgrund der Magensäure hinzukommt. Durch ein angepasstes Essverhalten können saures Aufstoßen und Rülpsen oft reduziert werden.

Folgende Tipps sollten Sie beachten:

  • Essen Sie langsam und bewusst.
  • Kauen Sie gründlich.
  • Sprechen Sie nicht unentwegt während des Essens.
  • Lassen Sie sich bei den Mahlzeiten nicht durch den Fernseher oder das Smartphone ablenken.

Sie stoßen nicht nur Luft auf, sondern auch Magensäure, die lästiges Sodbrennen verursacht? Dann ist es zudem ratsam, lieber auf mehrere kleine, über den Tag verteilte Mahlzeiten (anstatt auf wenige große) zu setzen. Das schont den Magen und erleichtert die Verdauung.

Des Weiteren sollten bei saurem Aufstoßen kohlensäurehaltige Getränke und blähende Lebensmittel, deren Verdauung zur vermehrten Gasbildung führen, weniger auf dem Speiseplan stehen. Zu empfehlen sind stattdessen beispielsweise Vollkornprodukte, Blattsalate und säurearmes Obst (wie Bananen). Diese Lebensmittel gelten allgemein als gut verdaulich.

Generell sollten Betroffene auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung achten, da sich durch diese auch der Einflussfaktor Übergewicht reduzieren lässt.

Gut zu wissen

Wenn (saures) Aufstoßen und Sodbrennen häufig auftreten, empfiehlt es sich, auf Alkohol und Nikotin zu verzichten, da beides die Magensaftproduktion anregt.

Beruhigende Tees und Entspannungstechniken

Verschiedene Tees unterstützen Magen und Darm bei der Verdauung und können so zur Linderung von Sodbrennen und Aufstoßen beitragen. Bewährt haben sich beispielsweise folgende Sorten:

  • Kamille
  • Kümmel
  • Fenchel
  • Anis

Um das Aufstoßen zu reduzieren, sollten Sie zudem versuchen, auf mehr Entspannung im Alltag zu setzen, da der Stress wortwörtlich auf den Magen schlagen kann. Yoga, Meditation oder andere Entspannungstechniken sind dabei besonders hilfreich.

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Medikamente gegen das Aufstoßen

Gelangt beim Aufstoßen Magensäure mit in den Hals und löst dort unangenehmes Sodbrennen aus, können Betroffene zu Medikamenten greifen, die die Regulation der Magensäure beeinflussen. Beliebt sind sogenannte Antazida.

Das sind Mittel, die die Magensäure neutralisieren. Sie lindern Sodbrennen sowie Aufstoßen und sind in der Apotheke freiverkäuflich erhältlich. Zudem gibt es noch weitere Arzneien, die die Säure binden oder deren Produktion reduzieren. Am besten lassen Sie sich von Ihrem Hausarzt beraten, welches Mittel für Sie geeignet ist.

Pauline Zäh
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