Gastritis: Symptome, Formen, Ursachen und Behandlung

3. Dezember 2019
12 Min.
kanyo-Expertenbeirat - Geprüft am 21.01.2020

Wer unter lästigem Sodbrennen leidet, fragt sich zwangsläufig, woher die Beschwerden kommen könnten. Manchmal steckt eine Magenschleimhautentzündung hinter dem Leiden in der Speiseröhre. Neben Sodbrennen zeigen sich bei einer Entzündung der Magenschleimhaut, auch Gastritis genannt, unter anderem Symptome wie Magenschmerzen, Übelkeit oder sogar Erbrechen. Doch was sind die Ursachen einer Gastritis? Welche verschiedenen Formen gibt es? Und vor allem: Was hilft gegen die Magenschleimhautentzündung?


Zum Thema:


Im Überblick: Eine Gastritis ...

  • ...beschreibt die Entzündung der Magenschleimhaut.
  • ...kann als akute oder chronische Form auftreten.
  • ...zeigt sich im Akutstadium zum Beispiel durch Sodbrennen, Magenschmerzen, Appetitlosigkeit und Blähungen.
  • ...lässt sich zu Krankheitsbeginn oft gut mit Hausmitteln, pflanzlichen Arzneien und dem Vermeiden von auslösenden Faktoren behandeln.
  • ...ist im Falle einer Chronifizierung oft schwer erkennbar und führt eher zu unkonkreten Bauchschmerzen und allgemeinem Unwohlsein.
  • ...ist ein Fall für den Arzt, da dieser die Ursache bestimmen und eine geeignete Behandlung einleiten kann.

Was ist eine Gastritis?

Bei einer Gastritis handelt es sich um eine Entzündung der Magenschleimhaut. Wie ein Mantel kleidet die Magenschleimhaut den Magen im Inneren aus. Außerdem produzieren Zellen der Schleimhaut den für die Verdauung benötigten Magensaft.

Die Aufgaben der Magensäure

Die Enzyme der Magensäure tragen dazu bei, Nahrung in ihre einzelnen Bestandteile aufzuspalten und zu verdauen. Außerdem ist die Magensäure durch ihren sauren pH-Wert in der Lage, Krankheitserreger abzutöten.

Allerdings ist die Säure auch sehr aggressiv: Wird zu viel Magensäure produziert oder ist die Magenschleimhaut aus verschiedenen Gründen beschädigt und geschwächt, kann die Säure Schleimhautzellen angreifen und eine Magenschleimhautentzündung entsteht. Bei der Erkrankung differenzieren Ärzte eine akute und eine chronische Form der Gastritis.

Akute Gastritis: Die Symptome

Eine akute Gastritis macht einer jungen Frau zu schaffen: Sie leidet an Magendrücken und Übelkeit.
Eine akute Magenschleimhautentzündung bleibt in der Regel nicht unbemerkt. Vor allem nach Mahlzeiten treten plötzlich starke Schmerzen in der Magengegend auf, die mitunter auch in den Rücken ausstrahlen. Häufig wird Betroffenen übel und sie müssen erbrechen.

Weitere Beschwerden durch eine Gastritis sind möglicherweise:

  • Druckempfindlichkeit des Magens beim Abtasten des Bauchs
  • Appetitlosigkeit
  • Blähungen

In manchen Fällen kommt es durch die große Menge an Magensäure auch zu Sodbrennen oder saurem Aufstoßen.

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Neben einer Gastritis kommen noch weitere Ursachen für Sodbrennen infrage:


Krankschreibung bei Gastritis

Da bei einer akuten Magenschleimhautentzündung Symptome wie Magenschmerzen oder Erbrechen ziemlich heftig auftreten können, ist in manchen Fällen die Krankschreibung durch einen Arzt nötig. Meist begrenzt sich diese jedoch auf wenige Tage, weil sich die Beschwerden oft schnell wieder bessern.

Ursachen einer akuten Gastritis

Grund für eine Magenschleimhautentzündung ist in der Regel die übermäßige Produktion von Magensäure. Es gibt verschiedene Faktoren, die dazu führen können, beispielsweise:

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Aber auch eine Beschädigung der Magenschleimhaut kann vorliegen, welche es der Säure besonders einfach macht, sie anzugreifen. Medikamente – vor allem sogenannte nichtsteroidale Antirheumatika (entzündungshemmende Schmerzmittel) zum Beispiel mit dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure – setzen der Magenschleimhaut bei regelmäßiger Einnahme zu und begünstigen dadurch eine Gastritis.

Wie eine akute Magenschleimhautentzündung behandeln?

In der Regel klingt eine akute Gastritis nach ein paar Tagen ab.1 Damit sich der Magen jedoch ungestört regenerieren kann, sollten Sie auslösende Aspekte beziehungsweise Risikofaktoren so weit wie möglich vermeiden. Zudem können Hausmittel die Beschwerden bessern:

  • Angenehm ist Wärme in Form einer Wärmflasche auf dem Bauch oder eines heißen Bads.
  • Schonkost gilt als besonders leicht verdaulich und ist daher bei einer Gastritis zu empfehlen. Gut bekömmlich sind beispielsweise Haferschleim und Zwieback. Auf Alkohol, Kaffee und scharfe oder fettige Speisen sollten Sie dagegen verzichten.
  • Kräutertees aus Melisse, Kamille oder Fenchel können den Magen beruhigen und schmerzlindernd wirken.
  • Spezielle Entspannungstechniken, wie Yoga oder Meditation, verringern Stress und tragen so möglicherweise zur Besserung einer Magenschleimhautentzündung bei.

Zusätzlich können pflanzliche Arzneimittel (zum Beispiel mit Angelikawurzel) oder Medikamente aus der Gruppe der Antazida (neutralisieren die Magensäure) eingesetzt werden. Diese Medikamente sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.

 

Arzneimittel wechseln

Wenn Sie Medikamente einnehmen, die womöglich der Magenschleimhaut zusetzen, sollten Sie mit Ihrem Arzt Rücksprache halten. Er kann Ihnen unter Umständen eine magenfreundlichere Alternative aufzeigen.

Symptome: Die chronische Gastritis bleibt länger unentdeckt

Neben der akuten Variante gibt es auch die chronische Magenschleimhautentzündung. Experten vermuten, dass in westlichen Ländern fast die Hälfte der über 50-Jährigen an einer chronischen Gastritis leidet.2 Die chronische Variante verläuft im Gegensatz zur akuten Form über einen längeren Zeitraum. Bei einigen Betroffenen treten keinerlei Beschwerden auf – daher bleibt die Krankheit oft unentdeckt.

Spezifische Symptome wie Sodbrennen, Blähungen oder Völlegefühl nach Mahlzeiten zeigen sich eher selten. Meist sind es unspezifische Schmerzen im Oberbauch oder allgemeines Unwohlsein, die auf eine chronische Magenschleimhautentzündung hindeuten.

Gut zu wissen

Selbst wenn die Anzeichen einer chronischen Gastritis nicht allzu stark ausgeprägt sind, so sollten sie doch ernst genommen werden. Bei wiederkehrenden oder länger als 3 bis 4 Wochen andauernden Beschwerden im Oberbauch, ist es ratsam für Betroffene, einen Arzt aufzusuchen.3 Eine zeitnahe Behandlung einer chronischen Magenschleimhautentzündung ist wichtig, da sonst daraus zum Beispiel ein Magengeschwür (eine tiefe Wunde in der Magenwand) und Blutungen entstehen können.

Ursachen einer chronischen Gastritis: Einteilung in verschiedene Formen

Es gibt je nach Auslöser verschiedene Formen der chronischen Gastritis:

  • Typ A: Eine Gastritis dieser Form ist eine eher seltene Autoimmunkrankheit, die vererbbar ist. Bei der Erkrankung entwickelt das Immunsystem Abwehrkörper gegen Zellen der Magenschleimhaut. Die Zellen werden angegriffen und nach und nach zerstört. Im Verlauf dieser Krankheitsform kommt es oft zu einem Nährstoffmangel, da durch die geschädigte Schleimhaut die Nährstoffaufnahme beeinträchtigt ist.
  • Typ B: Diese Form ist sehr viel häufiger als Typ A. Circa 80 bis 90 Prozent aller chronischen Magenschleimhautentzündungen zählen dazu.3 Die Gastritis entsteht durch eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori. Das Bakterium verbreitet sich von Mensch zu Mensch, also vermutlich über Speichel, Erbrochenes oder Kot. Der genaue Übertragungsweg (oral-oral, gastral-oral und/oder fäkal-oral) ist noch nicht abschließend erforscht.
  • Typ C: Die chemisch-toxische Form der Magenschleimhautentzündung wird häufig durch die langfristige Einnahme von entzündungshemmenden Schmerzmitteln oder den krankhaften Rückfluss von Gallenflüssigkeit (aus dem Darm in den Magen) verursacht.
  • Typ D: Einige Mediziner unterscheiden noch eine vierte Variante der Gastritis. Unter diese fallen diverse andere Magenschleimhautentzündungen, die durch eher seltene Gründe, zum Beispiel chronisch-entzündliche Magen-Darm-Krankheiten wie Morbus Crohn, ausgelöst werden.4

Über das Bakterium Helicobacter pylori

Einem Großteil der Magenschleimhautentzündungen liegt das Bakterium Helicobacter pylori als Ursache zugrunde. Die Helicobacter-pylori-Infektion ist weltweit die zweithäufigste Infektionskrankheit: Mehr als 50 Prozent der Bevölkerung tragen Helicobacter pylori – zumeist unbemerkt – in sich.5 Das Bakterium nistet sich aufgrund seiner speziellen Spiralform besonders leicht in die oberste Schicht der Magenschleimhaut ein. Dort neutralisiert es die Magensäure in seiner direkten Umgebung. Der Erreger bleibt oft für lange Zeit unentdeckt, führt aber langfristig dazu, dass die natürliche Regulierung der Magensäureproduktion gestört ist. Als Folge daraus kann eine chronische Magenschleimhautentzündung entstehen.

Chronische Gastritis: Die Diagnose

Der Spezialist für Erkrankungen des Verdauungstrakts ist der Gastroenterologe. Zunächst wird er den Patienten im Gespräch nach seinen Symptomen fragen und den Bauch vorsichtig mit den Händen abtasten, um herauszufinden, ob eine erhöhte Druckempfindlichkeit besteht.

Im Rahmen einer Magenspiegelung (Gastroskopie) kann er zudem die Magenschleimhaut in Augenschein nehmen. Bei der 10- bis 15-minütigen Untersuchung schiebt der Mediziner einen dünnen Schlauch vorsichtig durch die Speiseröhre in den Magen.1 Am Ende des Instruments sitzt eine kleine Kamera, durch welche zum Beispiel krankhafte Veränderungen der Magenschleimhaut und Entzündungen sichtbar werden.

Zusätzlich hat der Facharzt die Möglichkeit, bei der Magenspiegelung eine kleine Gewebeprobe der Schleimhaut zu entnehmen. Diese kann er anschließend zur Untersuchung auf Bakterien in ein Labor schicken und so womöglich Aufschluss über die Ursache der Gastritis erhalten.   

Behandlung der chronischen Gastritis

Bei der chronischen Magenschleimhautentzündung richtet sich die Behandlung nach den Ursachen. Bei der Typ-A-Gastritis lässt sich der Auslöser – also die Autoimmunerkrankung – nicht ursächlich behandeln. Stattdessen verordnet der Arzt oft Vitamin B12-Präparate, da es durch die gestörte Nährstoffaufnahme häufig zu einem Mangel des Vitamins kommt.

Eine Typ-B-Gastritis behandelt der Arzt meist, indem er Protonenpumpenhemmer (PPI) verordnet. Diese Medikamente hemmen die Produktion der Magensäure. Zusätzlich verschreibt der Arzt Antibiotika gegen die Helicobacter-Bakterien.

Die wichtigste Maßnahme bei einer Typ-C-Gastritis ist es, das Mittel zu vermeiden, welches zur Reizung geführt hat. Wenn Medikamente die Entzündung ausgelöst haben, sollten Sie sich in jedem Fall mit Ihrem Arzt bezüglich einer alternativen Therapie besprechen. Er kann Ihnen zudem magenschützende Arzneien empfehlen.

Für eine Typ-D-Gastritis gibt es keine pauschalisierte Behandlung, da bei dieser Art viele verschiedene Ursachen infrage kommen und immer individuell nach einer Therapiemöglichkeit gesucht werden muss.

Aha!

Wie bei der akuten Gastritis sollten Sie auch bei der chronischen Form auf Kaffee, Alkohol und Nikotin sowie fettiges, schwer verdauliches Essen verzichten, um die Magenschleimhaut nicht zusätzlich zu reizen.

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Pauline Zäh
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