Magenkrebs – Risikofaktor Sodbrennen

12. November 2022
16 Min.
Eine Ärztin erläutert einem Patienten die Diagnose Magenkrebs

Magenkrebs (oder auch Magenkarzinom) ist eine lebensbedrohliche Krankheit, die in vielen Fällen erst sehr spät erkannt wird. Das liegt vor allem daran, dass Betroffene im frühen Stadium häufig kaum Symptome wahrnehmen. Doch wie kann Magenkrebs dann überhaupt erkannt werden? Und welche Rolle spielt Sodbrennen dabei? Wir haben die Antworten.


Überblick:


Häufig gestellte Fragen zu Magenkrebs

Was sind die ersten Anzeichen für Magenkrebs? Die Symptome bei Magenkrebs sind sehr unspezifisch und allgemein. Zu möglicherweise auftretenden Beschwerden gehören: Übelkeit, Abgeschlagenheit, Aufstoßen sowie Abneigung und Unverträglichkeit gegen bestimmte Lebensmittel, Druckgefühl und Schmerzen im Oberbauch, Teerstuhl oder Magenschmerzen während des Essens.

Wie hängt Sodbrennen mit Magenkrebs zusammen? Sodbrennen kann einerseits ein Anzeichen für Krebs sein, zum Beispiel wenn der Tumor bereits so groß ist, dass er auf den Magen drückt. Andererseits kann ständiges Sodbrennen auch ein Auslöser für Magenkrebs sein, da sich durch die konstante Reizung Schleimhautzellen verändern und somit Krebszellen ausbilden können.

Ist ständiges Sodbrennen ein Anzeichen von Magenkrebs? Wer unter ständigem Sodbrennen leidet, sollte einen Arzt aufsuchen, um die Ursache abzuklären. Zum einen können die Beschwerden auf Magen- oder Speiseröhrenkrebs hinweisen, zum anderen löst zu viel Magensäure Entzündung im Magen aus, die das Risiko an Krebs zu erkranken nachweislich erhöhen.1

Was sind die Ursachen für Magenkrebs? Bestimmte Faktoren können spontane Zellveränderungen und damit auch Krebs begünstigen. Bei Magenkrebs erhöhen – neben genetischen Veranlagungen – vor allem eine dauerhafte Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori, Ernährungsgewohnheiten, aber auch Rauchen und regelmäßiger Alkoholkonsum das Erkrankungsrisiko.

Wie gut ist Magenkrebs heilbar? Wird der Tumor frühzeitig entdeckt und das Karzinom ist nur auf die Schleimhaut beschränkt, sind die Heilungschancen recht gut. In diesem Fall überleben heute mehr als 75 Prozent der Patienten die Erkrankung.3 Generell hängen die Heilungsaussichten stark mit dem Stadium, der Ausbreitung und der Konstitution des Patienten zusammen.

Was ist Magenkrebs? Eine kurze Erklärung

Bei Magenkrebs handelt es sich um bösartige Tumore, die sich meist auf der Magenschleimhaut entwickeln. Von einem solchen Tumor ist dann die Rede, wenn sich Zellen unkontrolliert vermehren und Geschwulste bilden. Diese können in das gesunde Gewebe einwachsen und es schädigen. Bei Magenkrebs gehen die Tumore zu 95 Prozent vom Drüsengewebe aus.1 In diesem Fall ist von einem Adenokarzinom die Rede.

Doch nicht nur solche werden unter der allgemeinen Bezeichnung Magenkrebs zusammengefasst, es gibt noch weitere Tumorarten und -formen, die den Magen betreffen können:

  • Neuroendokrine Tumore des Magen-Darm-Trakts (NET) entstehen durch die hormonproduzierenden Zellen im Verdauungstrakt.
  • Gastrointestinale Stromatumoren (GIST) bilden sich im Bindegewebe des Magen-Darm-Trakts und werden zu den Weichteilsarkomen gezählt.
  • Bei bösartigen Veränderungen des Lymphgewebes im Magen ist von MALT-Lymphomen die Rede.
  • Leiomyosarkome gehen von den Muskelzellen des Magens aus und sind bösartige Veränderung der glatten Magenmuskulatur.
  • Metastasen, die sich ausgehend von Brust- oder Lungenkrebs im Magen bilden.

Weitere Krebsformen der Magenschleimhaut sind das Plattenepithelkarzinom (Krebs auf der Mund- oder Rachenschleimhaut) sowie das kleinzellige, das adenosquamöse (Eigenschaften eines Plattenepithelkarzinoms und eines Adenokarzinoms) und das undifferenzierte Karzinom (unbekanntes Ursprungsgewebe).

Die Gemeinsamkeit all dieser lebensgefährlichen Tumorarten ist, dass sie meist erst sehr spät erkannt werden, weil sie im Anfangsstadium kaum Beeinträchtigungen hervorrufen. Daher ist es wichtig, dass Sie bereits auf die kleinsten Anzeichen achten, um das Magenkarzinom so früh wie möglich zu entdecken.

Aha!

Das durchschnittliche Alter, in dem Patienten an Magenkrebs erkranken, liegt bei Männern bei rund 71 Jahren und bei Frauen bei rund 76 Jahren.3 Insgesamt sinkt jedoch in den Industriestaaten seit mehr als 30 Jahren die Anzahl der Neuerkrankungen sowie der Sterbefälle aufgrund von Magenkrebs.

Laut Experten kann das auf die veränderten Lebens- und Ernährungsgewohnheiten sowie auf die sinkende Anzahl an Infektionen mit dem Helicobacter pylori Bakterium, was laut Einschätzungen der Experten den größten Risikofaktor für Magenkrebs darstellt, zurückgeführt werden.2

Welche Symptome weisen auf Magenkrebs hin?

Die Beschwerden bei einem Magenkarzinom sind anfänglich sehr allgemein und unspezifisch. Wenn das Magenkarzinom nicht direkt ertastbar ist, weil es sich beispielsweise im Oberbauch befindet, ist es für Betroffene daher nicht leicht herauszufinden, ob sie an der Krebserkrankung leiden. Zu den ersten Anzeichen gehören:

  • Übelkeit
  • Mundgeruch
  • Abgeschlagenheit
  • Müdigkeit
  • Blähungen
  • Aufstoßen

Diese Symptome können auf eine Vielzahl an Erkrankungen hinweisen. Allerdings gibt es weitere Anzeichen, bei denen Betroffene frühzeitig einen Arzt aufsuchen sollten, um die Ursache festzustellen und gegebenenfalls Maßnahmen einzuleiten. Bei folgenden Beschwerden sollte Magenkrebs ausgeschlossen werden3:

  • plötzlich auftretende Abneigung oder Unverträglichkeit bei bestimmten Speisen wie Kaffee, Obst oder Fisch
  • andauernde Appetitlosigkeit
  • Druckgefühl und Schmerzen im Oberbauch
  • Erbrechen (besonders, wenn nach dem Erbrechen ein vorhandenes Druckgefühl verschwindet oder Nahrungsreste vom Vortag im Erbrochenen zu finden sind)
  • ungewollte Gewichtsabnahme
  • Blutarmut (Anämie)
  • Teerstuhl (schwarzer Stuhlgang)
  • Schluckbeschwerden
  • Magenschmerzen während der Nahrungsaufnahme

Anzeichen ernst nehmen

Nehmen Sie die Anzeichen für ein Magenkarzinom nicht auf die leichte Schulter. Je früher eine Krebserkrankung erkannt wird, desto besser sind die Behandlungsmöglichkeiten. Wird Magenkrebs frühzeitig diagnostiziert, liegt die Überlebenswahrscheinlichkeit bei mehr als 75 Prozent.3 Dennoch werden mehr als zwei Drittel aller Magenkrebserkrankungen zu spät erkannt, da die Anzeichen entweder vom Betroffenen oder vom behandelnden Arzt nicht ernst genommen wurden.3

Daher: Halten die Beschwerden mehr als zwei bis drei Tage an, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.4 Mithilfe von Magenspiegelung, Gewebeproben und Röntgenverfahren können Magenkarzinome erkannt werden.

Sodbrennen und Magenkrebs – wie hängt das zusammen?

Wer unter Sodbrennen, also einem Druckgefühl oder Brennen in der Speiseröhre, leidet, denkt in der Regel erst einmal nicht an eine ernsthafte Erkrankung. Und tatsächlich: Meist tritt Sodbrennen spontan auf – beispielsweise ausgelöst durch besonders hastiges Verspeisen von fettigem oder scharfem Essen.

In diesem Fall lässt sich das Brennen oft mit einer Ernährungsumstellung unkompliziert in den Griff bekommen. Dennoch kann auch Sodbrennen sowohl ein Symptom als auch eine Ursache von Magenkrebs sein.

Sodbrennen als Symptom von Magenkrebs

Wer gelegentlich unter Sodbrennen leidet, hat in der Regel wenig zu befürchten. Treten die Beschwerden aber über Wochen regelmäßig auf, sollte die Ursache von einem Fachmann abgeklärt werden.

Denn Sodbrennen kann auch ein Anzeichen für eine Krebserkrankung wie ein Magenkarzinom oder Speiseröhrenkrebs sein. Ist der Tumor schon so groß, dass er auf Magen und/oder Speiseröhre drückt, ist es möglich, dass sich dadurch Magensäure anstaut und ein Brennen oder Schmerzen verursacht.

Wie kann Sodbrennen Magenkrebs auslösen?

Sodbrennen, vor allem infolge von Reflux, ist nachweislich ein Risikofaktor für die Entstehung von Krebs.1 Doch wie kommt das? Fließt die Magensäure in die Speiseröhre zurück, schädigt sie auf Dauer die Schleimhaut am Übergang von Magen und Speiseröhre. Grundsätzlich ist die Magenschleimhaut vor Magensäure geschützt.

Allerdings kann sie durch zu viel Magensäure geschädigt werden. Durch die konstante Reizung kommt es zu Entzündungen. Dadurch ist es möglich, dass sich die Schleimhautzellen verändern und Krebszellen ausbilden, die sich letzten Endes zu Magenkrebs weiterentwickeln.

Auch Speiseröhrenkrebs kann durch die Refluxkrankheit ausgelöst werden. Schädigt die Magensäure über einen langen Zeitraum die Schleimhaut der Speiseröhre, kommt es kontinuierlich zu Entzündungen.

Als Reaktion darauf produziert der Körper Zellen, die weniger empfindlich sind und die sich in der Folge möglicherweise zu Krebszellen weiterentwickeln. Diese Zellveränderung ist meist schon ein Vorbote für Speiseröhrenkrebs.

Dementsprechend sollten die Refluxkrankheit und ständiges Sodbrennen nicht auf die leichte Schulter genommen und stets ärztlich abgeklärt werden.

Über die Ursachen von Magenkrebs

Tumore entstehen durch Veränderungen im Erbmaterial von einzelnen Zellen. Bösartig werden sie, wenn ein unkontrolliertes Wachstum der deformierten Zellen stattfindet. Anstoß dafür sind beispielsweise geerbte oder im Lauf des Lebens zufällig entstandene genetische Defekte – das gilt für alle Krebsarten.5

Was diese Veränderungen auslöst und Tumore im Magen wachsen lässt, ist bisher nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch bestimmte Faktoren, die das Risiko für die Entstehung von Magenkarzinomen aller Wahrscheinlichkeit nach erhöhen:

  • erbliche Veranlagung
  • Übergewicht
  • eine stark salzhaltige Ernährung, insbesondere mit gepökelten Lebensmitteln
  • Rauchen
  • häufiger Alkoholkonsum
  • Infektionen mit dem Bakterium Helicobacter pylori
  • Vorerkrankungen des Magens (zum Beispiel durch Magengeschwüre)
  • eine chronische Magenschleimhautentzündung

Bei vielen Betroffenen lässt sich im Nachhinein nicht eindeutig feststellen, was die Erkrankung ausgelöst hat.

Diagnosemethoden bei Magenkrebs

Ein Operationsteam operiert einen Patienten mit Magenkrebs.

Sobald der Verdacht auf Magenkrebs liegt, wird der Arzt zunächst entsprechende Untersuchungen einleiten. Dabei wird er abklären, ob es sich wirklich um einen Tumor handelt und – falls ja – in welchem Stadium sich dieser befindet.

Dafür wird eine körperliche Untersuchung sowie eine Magenspiegelung (Gastroskopie) vorgenommen. Letztere ist die aussagekräftigste Untersuchung zur Feststellung eines Magentumors.

Stellt sich im Laufe der Untersuchung heraus, dass es sich tatsächlich um ein Magenkarzinom handelt, werden weitere Diagnoseverfahren durchgeführt.

Wichtig ist dabei in erster Linie, wie weit sich der Tumor bereits ausgebreitet hat, ob die Lymphknoten ebenfalls befallen sind oder ob sich weitere Metastasen in anderen Körperbereichen gebildet haben. Hierfür stehen folgende Untersuchungsmethoden zur Verfügung:

  • Laboruntersuchungen (Blutbild oder Untersuchung von Tumorgewebe)
  • Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes und des Magens
  • Röntgenaufnahmen (Suche nach Lungenmetastasen oder Beurteilung von Herz und Lunge)
  • Computertomographie, zum Teil in Kombination mit einer Positronen-Emissions-Tomographie (Methode zur Darstellung von Stoffwechselaktivität im Gewebe)
  • Magnetresonanztomographie der Leber
  • Skelettszintigraphie (Suche nach Metastasen in den Knochen)
  • Bauchspiegelung

Behandlungsmöglichkeiten bei einem Magenkarzinom

Die Therapiemöglichkeiten unterscheiden sich je nach Stadium der Erkrankung, der Lage und den Eigenschaften des Tumors sowie dem Allgemeinzustand des Patienten. Welche Therapie für Ihren Magenkrebs die geeignete ist, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt. Folgende Behandlungsmöglichkeiten von Magenkrebs sind dabei üblich:3

Endoskopische Therapie

Sind die bösartigen Veränderungen noch sehr klein, vollständig auf die Schleimhaut des Magens begrenzt und gelten zudem als sogenannte Tumorvorstufen, können sie meist sehr schonend endoskopisch entfernt werden.

Ähnlich wie bei einer Magenspiegelung wird auch hier ein dünner Schlauch mit Kamera durch den Mund und die Speiseröhre in den Magen gelegt. Durch diesen Schlauch lassen sich anschließend weitere Instrumente zur Entfernung des Tumors einführen. Der Vorteil dieser Methode ist vor allem die geringe Belastung für den Patienten.

Aha!

Da die endoskopische Therapie nur in einem sehr frühen Stadium vorgenommen werden kann, ist die jährliche Anzahl dieser Eingriffe in Deutschland recht klein. In Ländern wie Japan, in denen eine regelmäßige Magenspiegelung zur Krebsvorsorge zählt, kommt die endoskopische Therapie deutlich häufiger zum Einsatz, da Magenkrebs oft bereits in den Früh- oder Vorstufen erkannt wird.

Operation

Ist eine Entfernung der bösartigen Veränderungen (endoskopische Therapie) nicht mehr möglich, ist häufig eine Operation der nächste Schritt. Je nach Größe und Lage des Tumors entfernt der Operateur den Magen dabei teilweise oder zur Gänze.

Handelt es sich um eine Teilentfernung, kann der Restmagen durch ein Stück des Dünndarms wiederhergestellt werden. Bei einer vollständigen Entfernung des Magens setzt der Operateur häufig den Dünndarm direkt an die Speiseröhre. Meist formt er anschließend aus einer Dünndarmschlinge eine Art Ersatzmagen.

Chemotherapie

Bei einer Chemotherapie erhalten die Patienten Medikamente, sogenannte Zytostatika, die die Teilung und Vermehrung von schnell wachsendem Gewebe wie bei Tumorzellen aufhalten sollen. Daher können mittels einer Chemotherapie Krebszellen auch dann abgetötet werden, wenn diese sich schon vom Ursprungstumor gelöst und im Körper verbreitet haben.

Magenkrebs jedoch lässt sich allein mit dieser Therapie bei den wenigsten Betroffenen heilen und wird daher vorwiegend als ergänzende Behandlung zu einer Operation oder palliativ, also um das Tumorwachstum zu verlangsamen und Beschwerden zu lindern, eingesetzt. Bei letzterem sehen die Ärzte keine Möglichkeit mehr auf Heilung und versuchen, die verbleibende Lebenszeit des Patienten so beschwerdefrei wie möglich zu gestalten.

Strahlentherapie

Manchmal kommt bei Magenkrebs auch die Strahlentherapie zum Einsatz. Dabei wird energiereiche Strahlung genutzt, die die Tumorzellen so stark schädigt, dass sie nach einiger Zeit absterben. Diese Methode kann nach einer Operation kombiniert mit einer Chemotherapie eingesetzt werden, um ein eventuelles Rückfallrisiko zu verringern.

Behandlung mit Antikörpern

Bei einer fortgeschrittenen Erkrankung können auch zielgerichtete Medikamente zum Einsatz kommen. Die im Arzneimittel enthaltenen Antikörper blockieren ein schnelles Wachsen und Teilen von Zellen, wie es hauptsächlich bei Tumorzellen zu finden ist. Da mithilfe dieser Antikörper der Krebs nicht geheilt wird, sondern lediglich sein Wachstum und die Ausbreitung verlangsamt, wird diese Methode nur palliativ eingesetzt.

Susanne Wolf
Redakteur/in