Ösophagusvarizen – Krampfadern in der Speiseröhre

29. November 2018

Mit dem Begriff „Ösophagusvarizen“ werden Krampfadern in der Speiseröhre bezeichnet. In vielen Fällen treten diese bei einer vorangeschrittenen Schrumpfleber (Leberzirrhose) als mögliche Komplikationen auf. Während das Gewebe der Leber bei einer Leberzirrhose vernarbt, wird ihre Durchblutung zunehmend beeinträchtigt. Aus diesem Grund kommt es zu einem Blutstau in der blutzuführenden Pfortader und es entstehen Umgehungskreisläufe, die mitunter durch den Magen und die untere Speiseröhre führen. Dort überlastet das Blut die Venen und es bilden sich Krampfadern. Die daraus resultierenden Symptome und Gefahren, ihre genauen Ursachen sowie verschiedene Diagnose- und Behandlungsverfahren werden im Folgenden behandelt.

Welche Symptome und Gefahren sind bei Ösophagusvarizen möglich?

Mann greift sich an den Hals wegen Ösophagusvarizen

Sofern sie intakt sind, verursachen die Speiseröhrenkrampfadern in der Regel keinerlei Beschwerden. Betroffene bemerken oftmals gar nicht, dass sie vorhanden sind. Kleine Verletzungen der Krampfadern in der Speiseröhre, bei denen nur wenig Blut freigesetzt wird, können durch Blut im Speichel festgestellt werden.

Wirklich bemerkbar machen sich Ösophagusvarizen erst, wenn sie durch den hohen Innendruck reißen. Betroffene erbrechen plötzlich und schwallartig große Mengen an Blut — in diesem Fall besteht höchste Lebensgefahr. Ausgelöst durch den großen Verlust von Blut und Flüssigkeit sind zudem Beschwerden eines sogenannten hypovolämischen Schocks zu beobachten. Der dabei entstandene akute Volumenmangel an Blut im Kreislauf führt zu folgenden Symptomen:

  • blasse und kühle Haut
  • Abfall des Blutdrucks
  • schwarzer oder blutiger Stuhl (Teerstuhl)
  • Herzrasen
  • flache Atmung
  • Bewusstseinsstörungen oder Bewusstlosigkeit

In einem solchen Notfall muss umgehend ärztliche Hilfe angefordert werden. Es besteht die Gefahr von akutem Organversagen und Herzstillstand.

Als ein Nebensymptom von Speiseröhrenkrampfadern kann auch Sodbrennen auftreten. Vor allem die Leberzirrhose, die unter Umständen für die Krampfadern in der Speiseröhre verantwortlich ist, sorgt mitunter dafür, dass bestimmte Hormone durch die Leber nicht mehr vollständig abgebaut werden und sich im Körper anreichern. Dazu zählen auch solche, die zu einer erhöhten Säureproduktion im Magen führen. Ebenso führt der mangelhafte Abbau von Hormonen durch die Leber zu einem Anstieg von Botenstoffen wie Neurotensin oder Gasen wie Stickstoffmonoxid. Diese Substanzen lassen den Schließmuskel zwischen Magen und Speiseröhre erschlaffen, wodurch sehr leicht Magensäure in die Speiseröhre fließen kann (Reflux). Dies verursacht eine Reizung der Schleimhaut und hat Sodbrennen zur Folge.

Ebenso ist es möglich, dass durch die Speiseröhrenkrampfadern die Eigenbewegung der Speiseröhre eingeschränkt ist. Gelangt nun der saure Mageninhalt hinein, dauert es länger, bis dieser aus der Speiseröhre zurück in den Magen befördert wird. Die Säure hat somit mehr Zeit, die Schleimhaut der Speiseröhre zu schädigen und Entzündungsreaktionen oder Symptome wie Sodbrennen auszulösen.

Ursachen für Krampfadern in der Speiseröhre

Für die Entstehung von Speisröhrenkrampfadern sind vornehmlich eine bereits fortgeschrittene Schrumpfleber (Leberzirrhose) und damit einhergehende Komplikationen verantwortlich. Die Leberzirrhose wird in den meisten Fällen durch einen exzessiven Alkoholkonsum oder Entzündungen der Leber verursacht (Hepatitis B, C oder D). Die Leber verliert bei einer Leberzirrhose zunehmend an funktionstüchtigem Lebergewebe, da dieses in Bindegewebe umgewandelt wird. Auf diese Weise vernarbt die Leber immer mehr und die Durchblutung wird stark beeinträchtigt.

In der sogenannten Pfortader, die die Leber mit Blut versorgt, staut sich so zunehmend Blut und der Druck im Inneren der Ader steigt übermäßig an (portale Hypertension). Da das Blut seinen herkömmlichen Weg durch die Leber zum Herz nicht mehr störungsfrei fortsetzen kann, entstehen Umgehungskreisläufe, um diesen Engpass vor der Leber zu vermeiden. Diese Umleitungen des Blutes werden unter anderem durch den Magen und den unteren Teil der Speiseröhre geführt und können dort zu Überlastungen und Weitungen der eigentlich sehr dünnwandigen Venen führen. Die Folge sind Ösophagusvarizen.

Als weitere Ursache für Krampfadern in der Speiseröhre können Blutgerinnsel in der Pfortader genannt werden (Pfortaderthrombose). Diese sorgen für eine Verstopfung der Ader, wodurch sich – ähnlich wie bei der Leberzirrhose – Umgehungskreisläufe durch Magen und untere Speiseröhre bilden und zu einem vergleichbaren Verlauf wie bei der Leberzirrhose führen.

Ebenso ist es möglich, dass sich Speiseröhrenkrampfadern aufgrund einer angeborenen Fehlbildung der Gefäße und nicht durch eine vorangegangene Krankheit bilden. Sie werden primäre Ösophagusvarizen genannt und treten nur sehr selten auf.

Diagnose und Behandlung von Ösophagusvarizen

Zur eindeutigen Diagnose von Krampfadern in der Speiseröhre dient dem Arzt unter anderem die Untersuchung des Blutes. Hier werden beispielsweise Werte von

  • Erythrozyten (rote Blutkörperchen),
  • Hämoglobin (Farbstoff der roten Blutkörperchen),
  • Leukozyten (weiße Blutzellen) und
  • Thrombozyten (Blutplättchen)

gemessen, um den Grad eines möglichen Blutverlustes zu ermitteln. Auf diesem Weg sind — bei einer Störung der Leberfunktion — auch Veränderungen in der Blutgerinnung sowie eine denkbare Infektion der Leber mit Hepatitis-Viren festzustellen.

Auch eine Spiegelung der Speiseröhre (Ösophagoskopie) oder des Magens (Gastroskopie ist hilfreich bei der Diagnose. Hierzu wird ein sehr dünner Schlauch über den Mund in die Speiseröhre und gegebenenfalls bis in den Magen geführt. An seinem Ende befindet sich eine kleine Kamera und ein Licht, wodurch der Arzt mithilfe eines Monitors, auf den das Bild der Kamera gespielt wird, das Innere der Verdauungsorgane begutachtet. In der Regel sind die Speisröhrenkrampfadern auf diese Weise sehr leicht zu erkennen.

Sollte der Arzt bei der Untersuchung Ösophagusvarizen entdecken, kann er diese vorsorglich veröden. Hierzu kommen entweder flüssige Verödungsmittel, wie zum Beispiel das Betäubungsmittel Polidocanol, oder eine Mischung aus Verödungsmedikamenten und Gas zum Einsatz. Ziel ist es, das Gewebe leicht zu verletzen, um einen Vernarbungsprozess in Gang zu setzen. Er soll verhindern, dass die verödete Stelle blutet, wodurch sich das hauptsächliche Risiko von Krampfadern in der Speiseröhre reduziert.

Eine weitere Methode ist die sogenannte Gummibandligatur, bei der die geweitete Vene mit einem kleinen Gummiband abgebunden wird. Dies soll eine potenzielle Blutung ebenso verhindern. Die beiden genannten Behandlungsmethoden der Speiseröhrenkrampfadern sind – genau wie die Diagnose – mithilfe eines Endoskops möglich.