Was hilft gegen Sodbrennen bei Kindern und Babys?

30. November 2016
7 Min.
  • viele kleine Mahlzeiten über den Tag verteilen
  • übermäßig scharfe Lebensmittel vermeiden
  • fettiges oder frittiertes Essen reduzieren
  • Stress im Alltag verringern
  • dem Kind ausreichend Bewegung ermöglichen
  • Babys nach dem Füttern in aufrechter Position halten
  • enge Kleidung oder zu stramme Windeln vermeiden
  • Baby in Rückenlage und mit erhöhtem Oberkörper ablegen
  • den Einfluss von Nikotin auf Babys und Kinder verhindern

Babys und Kinder sind genau wie Erwachsene (beispielsweise Schwangere) ab und an von Reflux betroffen. Das gelegentliche Zurückfließen des Mageninhalts in die Speiseröhre hat in der Regel keine krankhaften Beschwerden zur Folge. Per Definition spricht man erst dann von einer Erkrankung, wenn das Kind unter wiederholtem Reflux und Refluxbeschwerden leidet, weitere Symptome auftreten oder die Schleimhaut der Speiseröhre angegriffen ist. Sodbrennen ist ein typisches refluxbedingtes Symptom, das sowohl bei Babys, als auch bei älteren Kindern auftreten kann.

Verschiedene Refluxarten im Überblick

Sodbrennen bei Kindern ist keine Seltenheit.

Reflux bedeutet Rückfluss und bezeichnet in der Medizin den Vorgang, bei dem saurer Mageninhalt in die Speiseröhre gelangt. Man spricht demnach auch von einem gastroösophagealen Reflux (Wortherkunft: Gaster = Magen, Ösophagus = Speiseröhre). Sodbrennen gehört zu den Beschwerden, die durch Reflux ausgelöst werden. Doch warum gibt es Reflux und Sodbrennen bei Kindern oder beim Baby? Ursache hierfür ist die ätzende Magensäure, die im Magen wichtige Funktionen erfüllt, in der Speiseröhre jedoch Schaden anrichten kann. Allerdings sind gelegentliches Sodbrennen und Reflux bei Kindern und beim Baby völlig normal.

Je nachdem welche Ursachen für Reflux oder Sodbrennen bei Kindern oder beim Baby vorliegen, gibt es eine Reihe verschiedener Ausprägungen von Reflux:

  • funktioneller Reflux
  • pathologischer Reflux
  • sekundärer Reflux

Bei Säuglingen kann es zu einem sogenannten funktionellen Reflux kommen. In diesem Fall lockert sich das noch nicht vollständig ausgereifte Muskelband, das den Mageneingang abschließt und der Mageninhalt gelangt zurück in die Speiseröhre. Da außerdem der Winkel zwischen Magen und Speiseröhre bei Babys nicht sehr groß ist, kann die Milch vergleichsweise leicht zurückfließen. Das Problem löst sich mit dem Alter: Sobald die Kinder wachsen, vergrößert sich der Winkel – und es kommt seltener zu Reflux. Auch das Magenband entwickelt sich weiter und verschließt den Magen besser.

Gut zu wissen:

Reflux tritt sowohl bei Babys und Kindern auf, die gestillt werden, als auch bei jenen, die mit Säuglingsmilch gefüttert werden.

Wenn es zu weiteren Symptomen wie Heiserkeit, gestörtem Essverhalten oder Magenschmerzen kommt, spricht man von einem pathologischen Reflux beziehungsweise von einer Refluxerkrankung.

In schweren Fällen steckt eine andere, neurologische Erkrankung – wie etwa die Zerebralparese (frühkindliche Hirnschädigung) – hinter den Beschwerden, wodurch es zum Beispiel zu Reflux beim Baby kommt. Reflux kann aber auch durch einen Zwerchfellbruch (Hiatushernie) ausgelöst werden. In diesem Fall gelangen Teile der Organe – wie beispielsweise der Magen – durch eine Öffnung im Zwerchfell in den Brustraum. Sobald also eine andere Erkrankung die Beschwerden auslöst, spricht man von einem sekundären Reflux.

Refluxerkrankung: Symptome bei Babys und Kindern

Reflux kann beim Baby und bei älteren Kindern zu einer Vielzahl von Symptomen führen. Hierzu gehören:

  • Schmerzen durch Sodbrennen
  • Schlafstörungen
  • Schweißausbrüche
  • trockener Husten
  • Erbrechen von Milch
  • Schmerzen bei der Nahrungsaufnahme
  • Appetitlosigkeit

Bei älteren Kindern kann die aufsteigende Magensäure auch Schäden an den Milchzähnen hinterlassen. Liegt ein chronischer Husten vor oder leidet Ihr Kind häufig unter Atemwegsinfektionen, sollte auch eine Refluxerkrankung in Betracht gezogen werden.

„Wann zum Arzt?“ und „Bei welchen Beschwerden sofort zum Arzt?“ sind Fragen, die sich besorgte Eltern oftmals stellen. Ein Arztbesuch ist ratsam, wenn sich Ihr Baby regelmäßig übergibt oder nach dem Stillen sehr unruhig ist. Auch häufiges Husten nach den Mahlzeiten kann ein Anhaltspunkt für eine Refluxerkrankung sein. Derartige Symptome gilt es ärztlich abzuklären.

Wenn folgende Beschwerden auftreten, sollten Sie umgehend zum Arzt gehen:

  • Schluckbeschwerden oder Schluckstörungen
  • damit verbundene Verweigerung der Nahrungsaufnahme
  • Blut im Erbrochenen

Reflux bei Kindern und Babys behandeln und vorbeugen

Reflux beim Kind oder Baby – was tun? Welche Maßnahmen bei Verdacht und letztendlicher Diagnose einer Refluxerkrankung genau erfolgen, muss individuell mit dem Arzt besprochen und in weiteren Untersuchungen ermittelt werden. Je nach Ursache können Medikamente gegen Übersäuerung oder säurebindende Mittel (Antazida) hilfreich sein. Wichtig ist es hierbei, genaue Absprachen mit einem Arzt zu treffen, denn einige dieser Medikamente sind für Babys und Kinder ungeeignet. Bei einem sekundären Reflux, also wenn eine andere Krankheit die Beschwerden auslöst, sollte ebendiese zugrundeliegende Erkrankung therapiert werden.

Was hilft, wenn Babys Reflux haben? Allgemein gibt es gegen die verstärkte Neigung zu Reflux einige Maßnahmen, die im Alltag helfen können:

  • kleinere Mahlzeiten, dafür häufiger füttern
  • für zwanzig Minuten nach dem Füttern in aufrechter Position halten
  • Lagerung in Rückenlage mit erhöhtem Oberkörper (vor allem nach dem Essen)
  • Vermeidung von zu strammem Windeln
  • während und nach der Schwangerschaft Nikotin vom Baby fernhalten

Auch ältere Kinder leiden unter Reflux beziehungsweise dem typischen Reflux-Symptom Sodbrennen. Meistens sind es eine ungesunde Ernährung, sowie mangelnde Bewegung und Stress, die dem Körper zusetzen. Darum ist es wichtig, die Ernährung des Kindes im Auge zu haben. Denn genau wie bei Erwachsenen sind

  • fettige oder frittierte Speisen,
  • sehr scharfes Essen sowie
  • eine Überlastung des Magens durch zu viel Nahrung

ungünstig und führen auch bei Kindern schnell zu Sodbrennen. Ist der Magen überfüllt, drückt sich der Speisebrei wieder nach oben in die Speiseröhre. Es ist daher ratsam, mehrere kleine, leicht bekömmliche Mahlzeiten über den Tag zu verteilen, als sehr viel auf einmal zu essen.

Jan Zimmermann
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Medizinredakteur und Medienwissenschaftler
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