Gefahr Galle: Wenn Gallenflüssigkeit in die Speiseröhre gelangt

Bekannt ist die Galle im allgemeinen Sprachgebrauch vor allem wegen ihrer Verbindung zur Vier-Säfte-Lehre – einer Lehre, die vor allem im Mittelalter großen Anklang bei Medizinern fand. Gemeinsam mit Blut und Schleim, so glaubte man, hätten die schwarze und gelbe Galle maßgeblichen Einfluss auf Gesundheit und Charakter. Was die Gallenflüssigkeit allerdings tatsächlich macht, ist den meisten Menschen ein Rätsel. Wir verraten Ihnen alles Wissenswerte zur Galle und erklären, warum sie unter Umständen auch zur Gefahr werden kann.

Galle – was ist das eigentlich?


Verursacht Gallereflux die Beschwerden, ist es wichtig, die Ursachen rechtzeitig zu stoppen.
Ist von „Galle“ die Rede, ist oftmals das Organ gemeint, in dem der wertvolle Verdauungssaft gespeichert wird. Tatsächlich aber bezeichnet Galle die eigentliche Gallenflüssigkeit. Hergestellt wird sie von spezialisierten Zellen in der Leber – welche die Galle anschließend über die sogenannten Gallenkanälchen und die Gallenwege in die Gallenblase weiterleiten. Die Gallenblase ist demnach gar nicht an der Produktion von Galle beteiligt: Das hohlförmige Organ dient lediglich der Speicherung und dem Entzug von Wasser sowie Ionen.

Zu den wichtigsten Bestandteilen der Gallenflüssigkeit zählen
    • Wasser,
    • Phospholipide (eine Art von Fetten),
    • bestimmte Eiweiße,
    • Gallensäuren,
    • Bilirubin (Abbauprodukt von roten Blutkörperchen) und
    • Cholesterin.

    Durch ihr Zusammenspiel sind die Inhaltstoffe der Gallenflüssigkeit für die beiden essentiellen Funktionen der Galle verantwortlich:

    • die Unterstützung der Verdauung und Resorption von Fetten (Lipiden) sowie fettlöslichen Vitaminen und
    • die Ableitung von Abfall (beispielsweise Abbauprodukten wie Bilirubin) aus der Leber über den Weg der Verdauung

    Wird die Galle gleich benötigt, also direkt im Anschluss an eine Mahlzeit, überspringt sie den Zwischenschritt in der Gallenblase und wird direkt in den Zwölffingerdarm geleitet. Aus genau diesem Grund kann ein Mensch auch ohne seine Gallenblase überleben: Die Produktion des Verdauungssafts läuft in der Leber weiterhin unverändert ab, lediglich die Speicherung ist nicht mehr möglich. Betroffene sollten daher auf eine gesunde, fettarme Ernährung und ausreichend Bewegung achten.

    Ausschüttung und Arbeit der Galle

    Wartet die Gallenflüssigkeit in der Gallenblase auf ihren Einsatz bei der Verdauung, wird die Ausschüttung durch einen speziellen Mechanismus geregelt: Kommt fetthaltige Nahrung im Dünndarm an, setzen in der Folge einige Zellen bestimmte Stoffe frei, die zum einen den Schließmuskel am Eingang des Gallengangs erschlaffen lassen und zum anderen die Gallenblase dazu bringen, sich zusammenzuziehen. So gelangt die erforderliche Menge an Gallenflüssigkeit in den Zwölffingerdarm; durch die Muskelbewegungen des Darms wird sie mit dem Speisebrei vermischt und kann ihre Arbeit daraufhin ideal verrichten.

    Bereits im Magen werden Fette zum Teil aufgespalten. Kommen sie nun im ersten Abschnitt des Dünndarms an, dem sogenannten Zwölffingerdarm, gibt die Bauchspeicheldrüse zusätzliche Verdauungsenzyme zum Nahrungsbrei hinzu; sie zerkleinern die enthaltenen Fette noch weiter. Ist diese Arbeit getan, fällt der Startschuss für die Aktivität der Galle: Die Gallensäuren binden an die Nahrungsfette und bilden auf diese Weise Mizellen. Nur in dieser Form können die Fette über die Dünndarmschleimhaut aufgenommen und weiterverwertet werden. Im letzten Abschnitt des Dünndarms angelangt, nimmt der Körper die Gallensäuren wieder auf und transportiert sie zur Leber – so wird eine Wiederverwendung möglich. Die in der Gallenflüssigkeit enthaltenen Abfallstoffe, wie zum Beispiel das Bilirubin, werden gemeinsam mit dem Kot ausgeschieden.

    Gallereflux – wenn die Galle zum Risiko wird

    Um die Arbeit der Galle bräuchten wir uns eigentlich gar keine Gedanken machen – sie läuft ohne unser Zutun und so reibungslos ab, dass wir von ihr gar nichts mitbekommen. Es sei denn, es liegt eine Erkrankung oder eine andere Funktionseinschränkung vor: Dann können unangenehme Symptome entstehen, die den Betroffenen das Leben schwer machen.

    Beim Gallereflux arbeiten Gallenflüssigkeit und Gallenblase tadellos – und dennoch kommt es zu Beschwerden. Das liegt daran, dass die Galle in diesem Fall nicht im Dünndarm verbleibt, sondern durch Störungen der Schließmuskeln in den Magen oder sogar bis in die Speiseröhre gelangt. Die Zellen in Magen und Speiseröhre sind auf den Kontakt mit der Galle nicht vorbereitet und reagieren entsprechend empfindlich. Aus diesem Grund entstehen Symptome wie

    Bleibt der Gallereflux über einen längeren Zeitraum hinweg bestehen, ist in vielen Fällen eine Entzündung des Magens und/oder der Speiseröhre die Folge. Unbehandelt kann sie chronisch werden und sich in Zellveränderungen wie der Barrett-Speiseröhre oder letztendlich sogar Speiseröhrenkrebs niederschlagen. Deshalb gilt es bei Beschwerden, die auf einen Reflux hinweisen, die genaue Ursache herauszufinden und eine passende Behandlung einzuleiten.

    Durch Untersuchungsmethoden wie eine Ösophago-Gastro-Duodenoskopie (also eine Spiegelung von Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm) kann der Arzt die Gegebenheiten im Verdauungstrakt genau überprüfen und Hinweise auf den Auslöser des Gallereflux finden. Die Behandlung orientiert sich dann an diesen Ergebnissen. Grundsätzlich gibt es aber einige Empfehlungen, die sich in jedem Fall positiv auswirken können:

  • Regelmäßige Bewegung hält nicht nur fit, sondern auch den Magen-Darm-Trakt in Schwung – so bleibt auch die Verdauung beweglich.
  • Verzichten Sie auf Nikotin, Koffein und andere Genussmittel, um die Säureproduktion nicht unnötig in die Höhe zu treiben.
  • Entspannen Sie sich – zum Beispiel bei einem warmen Bad oder einem guten Buch. Stress und andere psychische Belastungen können die Wahrscheinlichkeit von Reflux erhöhen.
  • Ernähren Sie sich gesund, mit so wenig Zucker und Fett wie möglich.