Fundoplicatio – Reflux endgültig loswerden?

Wer ständig unter sehr starkem Sodbrennen leidet, der weiß: Die Schmerzen können zu einer wahren Tortur werden. Der Verzehr von Speisen ist mit einem mulmigen, besorgten Gefühl verbunden, die Konzentrationsfähigkeit lässt deutlich zu wünschen übrig und an erholsamen Schlaf ist gar nicht zu denken – schließlich tritt Sodbrennen bevorzugt nachts auf. Um den Beschwerden ein Ende zu setzen, kommt dann oft die Fundoplicatio nach Nissen zum Einsatz. Wir erklären, wie sie abläuft, worauf Sie achten sollten und mit welchen Risiken der operative Eingriff verbunden ist.

Die Fundoplicatio – wann ist der richtige Zeitpunkt?

Um Sodbrennen zu bekämpfen und es hoffentlich auch auf Dauer loszuwerden, gibt es zahllose Möglichkeiten. Zu den gängigsten zählen

  • eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten (zum Beispiel Geschwindigkeit beim Essen und die Größe der Portionen),
  • der Verzicht auf Lebensmittel und Substanzen, die die Herstellung von Magensäure anregen (zum Beispiel Kaffee, stark fett- oder zuckerhaltige Speisen und Alkohol),
  • der Einsatz von Hausmitteln,
  • die Einnahme entsprechender Medikamente sowie
  • die Umsetzung eines gesunden, bewegungsreichen Lebensstils.
Für die Betroffenen gilt es, all diese Maßnahmen zu testen und herauszufinden, welche ihrem Magen und ihrer Gesundheit in welchem Ausmaß guttun. Schlägt allerdings tatsächlich keine davon an, steht der Patient vor einer schwierigen Entscheidung: Wählt er die lebenslange Einnahme hochdosierter Medikamente oder gibt er einer Antireflux-OP wie der Fundoplicatio den Vorzug?

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Eine Fundoplicatio – was ist das genau?

Frau trinkt Wasser aus einem Glas


Die am besten geeignete operative Maßnahme bei heftigem Sodbrennen, die sogenannte Fundoplicatio nach Nissen, hat der deutsche Chirurg Rudolf Nissen in den 1950er Jahren erfunden und perfektioniert. Andere Operationstechniken wie die Fundoplicatio nach Toupet kommen nur im Sonderfall zum Einsatz.



Gut zu wissen

Um dem Reflux, also dem Zurückfließen der aggressiven Magensäure in die Speiseröhre, dauerhaft ein Ende zu setzen, ist Verstärkung an besonderer Stelle nötig: am Schließmuskel zwischen Speiseröhre und Magen. Er ist seinen Anforderungen bei Reflux nicht gewachsen. So kann er nicht verhindern, dass der Inhalt des Magens in die empfindliche Speiseröhre gelangt – starke Schmerzen und saures Aufstoßen sind die Folge.
Die Fundoplicatio nach Nissen setzt am entscheidenden Punkt an: dem geschwächten Schließmuskel am unteren Ende der Speiseröhre. Um ihn zu stützen, greift der Chirurg auf beiden Seiten der Speiseröhre nach dem dahinterliegenden oberen Teil des Magens, faltet ihn vorne zusammen und vernäht die beiden Teile. Landet nun Essen im Magen, wird dieser Bereich ausgefüllt und dadurch größer. Der Magen wirkt damit wie eine Manschette: Er verengt den Schließmuskel, Reflux ist kaum noch möglich.

Die Operation kann entweder ganz klassisch „offen“ mit einem größeren Schnitt durchgeführt werden oder mit der neueren, laparoskopischen Methode. Dabei werden an vier bis fünf Punkten der Bauchdecke von außen kleine Schnitte gesetzt, durch die das spezielle sehr kleine und schlanke Operationsbesteck ebenso wie eine Kamera eingeführt werden. Für den Patienten hat das einige Vorteile:

  • weniger Schmerzen
  • kleine, unauffällige Narben
  • kürzerer Aufenthalt im Krankenhaus
  • schnellere Genesungszeit
In den meisten Fällen geben die Ärzte daher dieser minimal-invasiven Variante der Fundoplicatio den Vorzug.

Eine schnelle Entscheidung aus dem Bauch heraus ist hier nach Möglichkeit zu vermeiden – egal ob die Einnahme von Medikamenten oder die OP: Beide Alternativen sind mit ganz individuellen Vor- und Nachteilen verknüpft. Gemeinsam mit Ihrem Arzt treffen Sie die Wahl, die am besten zu Ihnen und Ihren Bedürfnissen passt. Empfohlen wird die Fundoplicatio generell nur,

  • wenn der Betroffene unter dauerhaften, nicht behandelbaren und sehr starken Beschwerden leidet,
  • wenn der Patient nicht gewillt oder dazu in der Lage ist, ein Leben lang Medikamente einzunehmen, und
  • wenn das Risiko ernstzunehmender Folgeerkrankungen besteht, zum Beispiel bei bestehenden Schäden an der Speiseröhre.
Trifft mindestens einer dieser Fälle auf Sie zu, wird Ihnen auch der Arzt zu einer Operation raten. 

Chancen und Risiken der Fundoplicatio

Mehr als 90 Prozent der Erkrankten haben nach der Fundoplicatio keine Beschwerden mehr. Wie jede OP ist jedoch auch die Fundoplicatio mit einigen Risiken und Gefahren verbunden. Daher sollten Arzt und Patient immer gut abwägen, ob der operative Eingriff tatsächlich zwingend notwendig ist. In seltenen Fällen können durch die Operation diese Folgen entstehen:

  • Entzündungen
  • Blutungen
  • gefährliche Blutgerinnsel
  • ein Verrutschen der Magen-Manschette
  • Verletzungen an Lunge, Zwerchfell, Speiseröhre oder den Verdauungsorganen
  • Verletzungen an Nerven
  • Schwierigkeiten beim Schlucken, die aber meist nach wenigen Tagen oder Wochen verschwinden
  • erschwertes Aufstoßen und Erbrechen
Außerdem ist die Fundoplicatio kein Garant für ein Sodbrennen-freies Leben: Manche bekommen es auch nach der OP mit Reflux und den typischen Beschwerden zu tun – wenn auch in abgeschwächter Form. Nur wenige Betroffene leiden anschließend erneut an so starken Symptomen, dass eine weitere Operation nötig wird.

In seltenen Fällen ist eine Fundoplicatio von Anfang an nicht möglich, weil die Chancen auf dauerhaften Erfolg so gering sind. Das ist zum Beispiel bei Menschen mit anderen, ernsten Erkrankungen (zum Beispiel Herzkrankheiten) oder bei einer zu schwachen Speiseröhrenmuskulatur der Fall.

Auch wenn eine Hiatushernie (Zwerchfellbruch) hinter dem Reflux steckt, findet keine Fundoplicatio statt. Dann kommt stattdessen eine Zwerchfellbruch-OP zum Einsatz. Mehr Informationen zu diesem Verfahren finden Sie hier.

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